Amram
Schwieriger zu deuten ist Jochebed
● „Jahwe ist Gewichtigkeit / Wucht“ ist zwar sprachlich recht naheliegend, aber es irritiert, dass Moses Mutter einen Jahwe-haltigen Namen tragen soll, wo doch erstmals Mose bei seiner Berufung diesen Gottesnamen erfährt ().
● Wer ein vor-mosaisches Vorkommen eines Jahwe-haltigen Namens als unmöglich erachtet (M. Noth u.a.), kann kaum eine alternative Erklärung anbieten, sondern vermutet am ehesten eine künstliche, schriftgelehrte Namensbildung.
● Eine (eher abenteuerliche) Ableitung aus dem nordägyptischen Ort Achbit schafft eine Verbindung zum Mythus von der Göttin Isis und dem Horus-Kind (M. Görg).
Amram und Jochebed begegnen als Vater und Mutter von → Mose (und von dessen älteren Geschwistern → Aaron und → Mirjam) in einigen genealogischen Zusammenstellungen, bei denen es sich allerdings um literarisch späte Texte handelt (; ; nur Amram allein zudem in ; ; ; ). Doch die bekannte Erzählung von Moses Geburt und Bewahrung erwähnt dessen Eltern und Schwester überraschenderweise ohne Namensnennung und redet nur allgemein von Angehörigen des Stammes Levi (). Dies ist umso auffälliger, als das Alte Testament bei gewichtigen Personen die Erzählung häufig gerade mit einer Genealogie beginnt (vgl. → Samuel in ; → Saul in ). Dass sich die Erzählung in weniger für den Vater als für die Mutter und Tochter interessiert, ist etwas Außergewöhnliches.
Amram – nicht zu verwechseln mit dem nachexilischen Namensvetter in – ist der Enkel des Levi und der Urenkel des → Jakob. Er heiratete seine Tante Jochebed, die eine spätgeborene Tochter seines eigenen Grossvaters war (). Der sexuelle Umgang mit seiner Tante ist allerdings laut den (ebenfalls priesterschriftlichen) Überlieferungen in und verboten. Die frühen Bibelübersetzungen ins Griechische, Aramäische und Lateinische wollen diese Schwierigkeit vermeiden, indem sie in aus einer Tante eine Cousine („Tochter des Bruders seines Vaters“) machen (in bleibt Jochebed hingegen eine „Tochter Levis“). Die frühjüdische Überlieferung (siehe 3.1.) hat, ohne diesen Ausweg zu beschreiten, sich weiterhin intensiv mit der Problematik beschäftigt.
Jüdische Überlieferungen, die nicht im alttestamentlichen Kanon Aufnahme fanden, bringen weitere Informationen. Im 1. Jh. n. Chr. berichtet der jüdische Historiker Josephus ausführlich von einer Vision über die Zukunft des Mose, die Amram vor der Geburt seines Sohnes von Gott erhielt (Antiquitates 2,210-216; Text gr. und lat. Autoren). In Qumran fanden sich Fragmente aus einem „Buch der Visionen Amrams“ (4Q543-549). Das (vorwiegend in alten Übersetzungen erhaltene) „Testament des Levi“ (Kap. 12) berichtet über Jochebed, die im 64. Altersjahr ihres Vaters Levi geboren wurde und 30 Jahre später mit Levis (am selben Tag geborenen!) Enkel Amram die Ehe einging. Eine Fülle interessanter Legenden über Amram und Jochebed aus der dramatischen Zeit der Unterdrückung durch die Ägypter findet sich in jüngeren jüdischen Texten, vor allem im Midrasch und Talmud.
Überraschenderweise bezeichnet der Koran Miriam / Maria, die Mutter Jesu, als Tochter von Imran / Amram (3,33-37; 62,12; Text Koran) und als Schwester Aarons (19,28). Was wie eine grobe Verwechslung zwischen der alttestamentlichen Mirjam und ihrer neutestamentlichen Namensvetterin aussieht, könnte jedoch auf eine tiefgründige Verbindung hindeuten: Auch in wird Jesus in Beziehung zur Mose-Geschichte gesehen (Kindermord in Ägypten und Bethlehem; Ägypten-Aufenthalt von Israel und Jesus).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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