Über die Amalekiter lässt sich historisch wenig sagen. Im Alten Testament gelten sie als räuberisches Nomadenvolk im Süden Palästinas und Erbfeind Israels (: „Krieg hat Jahwe mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“).
Die Bedeutung des Namens Amalek / Amalekiter
In der Geschlechterliste → Esaus, des Stammvaters der Edomiter, erscheint Amalek als Enkel Esaus und Sohn von Elifas und seiner Nebenfrau Timna (; Parallelstelle: ). listet ihn unter den Häuptlingen → Edoms auf. Dem entspricht , wo ein Rest Amaleks im Gebirge Seïr, also im Bereich Edoms, lokalisiert wird.
Gesichertes lässt sich über die Lebensweise wenig sagen. Meist wird vermutet, Amalek habe als nomadisierender Stamm den Negeb bewohnt. Nach ; ; sind die Amalekiter Kamelbesitzer. Die Erzählung und die Erwähnungen in .; zeichnen Amalek als räuberisches Volk. Nach bewohnt Amalek eine Stadt mit einem König namens Agag an der Spitze (....), was das Nomadentum Amaleks fraglich erscheinen lässt.
Im Buch → Deuteronomium gebietet Gott Israel – unter Verweis auf den Überfall der Amalekiter nach dem Auszug aus Ägypten () – das Volk der Amalekiter auszurotten, sobald man nach der Landgabe Frieden gefunden hat (). Die Missachtung dieses Gebots begründet später die Verwerfung Sauls ().
Abgesehen von der kurzen Notiz in , die von der Verwüstung des Gebiets der Amalekiter durch eine Koalition von vier Königen weiß, spielen die Amalekiter erst in eine Rolle. Sie haben die Israeliten auf der → Wüstenwanderung angegriffen, doch → Mose schickt → Josua gegen sie in den Kampf. Israel erringt den Sieg, da Mose die Arme von → Aaron und → Hur gestützt zum Gebet erhoben halten kann. Die Erzählung, die in der göttlichen Zusage der Vernichtung der Amalekiter gipfelt, begründet die Erzfeindschaft zwischen Amalek und Israel und zeigt als theologische Lehrerzählung die Kraft des Gebets (Schmitt).
liest sich als negatives Gegenstück zu : Der eigenmächtige, gegen den ausdrücklichen Willen Jahwes unternommene Kriegszug gegen Amalek endet mit Israels Niederlage.
lässt die Amalekiter und → Ammoniter unter → Moabs Führung an einem Eroberungszug gegen Israel teilnehmen. Nach .; beteiligt sich Amalek im Gefolge → Midians an Beutezügen. In erscheint Amalek in einer Reihe von Völkern, die Israel in der vorstaatlichen Zeit bedrängten.
Die Notiz berichtet von → Sauls Schlag gegen Amalek und schafft so den Übergang zu . Zwölf Mal werden hier Amalek bzw. die Amalekiter genannt (zehn Mal
nennt Amalek als Ziel von Überfällen, die → David von → Ziklag aus unternimmt. Die Notiz bereitet die große Erzählung vor, wo eine amalekitische Räuberbande Davids Residenzstadt Ziklag ausplündert, was einen Rachefeldzug Davids zur Folge hat. In wird der Amalekiter, der David die Königsinsignien Sauls überbringt, niedergestochen, weil er vorgibt, Saul getötet zu haben. In (Parallele ) erscheint Amalek unter Fremdvölkern, die David besiegt und geplündert hat.
nennt Amalek in einer Reihe transjordanischer Völker. Diese repräsentieren die feindliche Völkerwelt, ja die Chaosmächte (Hossfeld / Zenger), die Israel derart zu vernichten beabsichtigen, dass niemand mehr des Namens Israels gedenken wird ().
Amalek kann nicht eindeutig lokalisiert werden. Zum einen fehlen archäologische Zeugnisse, zum andern sind die biblischen Angaben nicht eindeutig. Nach besiedelt Amalek zusammen mit → Kanaan die Ebene, siedelt die beiden dagegen im Gebirge an. weist Amalek als Bewohner des → Negevs aus, wo auch die → Keniter lokalisiert werden. Nach einer plausiblen Konjektur sieht Amalekiter und Keniter als Nachbarn, was auch in vorausgesetzt ist. Ebenso könnte der Umstand, dass der wohl alte Völkerspruch über Amalek demjenigen über die Keniter unmittelbar vorangeht (), ein Hinweis auf diese Nachbarschaft sein. Die Erwähnung Amaleks in der Geschlechterliste → Esaus (; Parallelstelle: ), sowie in der Liste der Häuptlinge → Edoms () legt die Anwesenheit von Amalekitern in edomitischem Gebiet nahe. . sieht Amalek inmitten transjordanischer Völker. und zeugen von einer Erinnerung an Amalek sogar in Ephraim.
Eine Geschichte Amaleks kann kaum rekonstruiert werden, da ein historischer Kern aus ; und nicht mit genügender Sicherheit isoliert werden kann. Die Erzählungen dienen dazu, Amalek als Feind schlechthin darzustellen, an dem ein vollständiger Bann zu vollziehen ist. Keine Bannforderung geht so weit wie die gegen Amalek.
Die übrigen Erwähnungen Amaleks ergeben kein klares Bild. Es kann aber vermutet werden, dass Amalek in vorstaatlicher Zeit Israels ein hartnäckiger Feind an Judas Südgrenze war, mit dem es immer wieder zu Konflikten um Weide- und Quellenrechte gekommen sein mag. In späterer Zeit blieben nur noch rudimentäre Erinnerungen an einen nicht mehr existierenden Feind. Amalek konnte so zur Chiffre für jede Feindschaft gegen Israel werden.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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