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Lexikon

Bilha

Andere Schreibweise: Bilhah (engl.)

Renate Andrea Klein

(erstellt: Jan. 2009)

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1. Name

Bilha (hebräisch בִּלְהָה) ist ein Frauenname, der auch als Ortsname belegt ist. Seine Bedeutung ist unklar (Stamm, 127). In Anlehnung an arabisch baliha könnte man ihn im Sinne von „sorglos sein“ verstehen (Gesenius). Als eher unwahrscheinlich wird die Ableitung von balahah „Schrecken / Schrecknis“ und die entsprechende Übersetzung „die Schrecken Einflößende“ angesehen (Stamm, 127).

2. Bilha, die Magd Rahels

2.1. Im Alten Testament

2.1.1. Bilha, die Mutter von Dan und Naftali

Bilha gehört zu den Randfiguren des Alten Testaments. → Laban, der Vater von → Rahel und → Lea, gibt die Magd Bilha seiner Tochter Rahel als Mitgift mit in die Ehe mit → Jakob (Gen 29,29). Als Rahel kinderlos bleibt und sie ihre Schwester Lea um ihre Fruchtbarkeit beneidet, führt sie ihre Magd Bilha ihrem Mann zu, um auf diese Weise zu Kindern zu kommen (Gen 30,3-4). Aus der Vereinigung Jakobs mit der Magd Bilha gehen zwei Söhne hervor, denen Rahel die Namen Dan bzw. Naftali gibt (Gen 30,5-8).

Die nach den beiden Brüdern benannten Stämme siedeln auf nordisraelitischem Territorium, Dan zunächst westlich von → Benjamin (Jos 19), in einem zweiten Stadium aber in der oberen Jordansenke (Ri 18), Naftali nordwestlich des Sees Genezaret und hat in der Deboraschlacht (Ri 4) gegen die Kanaanäer die führende Rolle inne. Sonst spielen diese Stämme in der Geschichte Israels eine eher untergeordnete Rolle, ebenso wie ihre Mutter innerhalb der Erzelterngeschichten (→ Erzeltern). Bilha erscheint noch als Mutter ihrer Söhne in den Listen Gen 35,25; Gen 46,25 (hier mit ihren jeweiligen Nachkommen, vgl. auch 1Chr 7,13). Ohne namentlich genannt zu werden, werden Bilha und ihre Kinder zusammen mit → Silpa und deren Kindern der Familie Jakobs vorangestellt (Gen 33,2.6), als diese sich anschickt, nach Jahren der Trennung dem vielleicht immer noch wegen des Segensbetrugs (Gen 27) rachsüchtigen → Esau zu begegnen. Bilhas Name erscheint noch in Gen 37,2, wo berichtet wird, dass Josef gemeinsam mit den Söhnen der Frauen seines Vaters Bilha und Silpa die Schafe hütet.

2.1.2. Ruben schläft mit Bilha

Eine besondere Episode stellt die unvollständige Notiz Gen 35,22a dar (Blum, 209), nach der Ruben Bilha, die Nebenfrau seines Vaters, beschläft. Jakob erfährt dies, doch ist hier keine Rede davon, dass die Tat für Ruben irgendwelche Konsequenzen hat. Allerdings wird die Notiz oft mit Gen 49,3f in Verbindung gebracht, wo Ruben die Position des Erstgeborenen abgesprochen wird, weil er das Bett seines Vaters entweiht hat. Wichtig ist, dass Bilha in Gen 35,22 nicht wie sonst als „Magd“ oder „Sklavin“ (אָמָה / שִׁפְחָה) bezeichnet wird, sondern als „Nebenfrau“ (פִּלֶגֶשׁ; in Gen 37,2 werden Bilha und Silpa „Frauen seines Vaters“ genannt). Dies soll ihr vermutlich einen Sonderstatus einräumen, zumal sie nach Rahels Tod (Gen 35,16ff) in gewisser Weise deren Stelle einnimmt (Klein, 163). Rubens Vergehen an ihr kommt daher einem Vergehen gegen Jakobs Lieblingsfrau Rahel gleich und ist gleichzeitig ein Versuch, die Machtposition des Vaters einzunehmen (vgl. 2Sam 16,20-23; 1Kön 2,13ff, wo die beiden Söhne Davids, → Absalom und → Adonija, ebenfalls über die Frauen ihres Vaters ihre Machtposition zu sichern versuchen). In die gleiche Richtung weist die stammesgeschichtliche Deutung der Notiz (Briend, 274f), nach der sich in ihr der Versuch des im Ostjordanland ansässigen Stammes Ruben spiegelt, im Westjordanland, und zwar auf dem Territorium Benjamins, Fuß zu fassen.

Die Notiz Gen 35,22a, in der Bilha für die verstorbene Rahel steht, kann mit dem Streit um die Alraunen (Mandragora autumnalis – Pflanze mit aphrodisischer Wirkung, vgl. Zohary, 188f) in Gen 30,14 in Zusammenhang gebracht werden (Zakovitch / Shinan, 71). In beiden Fällen bringt Ruben seinen Vater Jakob dazu, sich seiner Mutter Lea zuzuwenden; in Gen 30,14 bewirkt die aphrodisisch wirkende Pflanze, die er auf dem Feld gefunden und seiner Mutter gebracht hat, dass Rahel den Ehemann für eine Nacht an ihre Schwester abtritt; in Gen 35,22a beendet Ruben die Sonderbeziehung, die Jakob zu Rahel hatte, indem er sich an Bilha, deren lebendiger Erinnerung, vergeht. Die Variante im 33. Kapitel des → Jubiläenbuches bestätigt das (Text Pseudepigraphen). Es wird dort berichtet, dass Ruben die Nebenfrau seines Vaters beim Baden beobachtet und sie begehrt. Er schleicht nachts heimlich in ihr Zelt und liegt ihr bei, während sie schläft. Aus Scham teilt Bilha das Vorkommnis niemandem mit, aber als Jakob sich anschickt, ihr beizuwohnen, sagt sie ihm, dass sie von Ruben entehrt wurde. Jakob sieht zwar Rubens Tat als böse an, verweigert sich aber fortan der durch seinen Sohn entehrten Bilha. In der Variante TestXII Ruben 1 (→ Testamente der zwölf Patriarchen; Text Pseudepigraphen) merkt Bilha von dem Beilager mit Ruben nichts; ein Engel teilt es Jakob mit, der Bilha daraufhin nicht mehr berührt.

2.2. Rezeption

Nach Jub 28,9 ist Bilha die Schwester der → Silpa, der Magd Leas; TestXII Naftali 1 präzisiert, dass es die jüngere Schwester der Silpa ist, Tochter des Bruders von → Rebekkas Amme Debora und einer Magd Labans, geboren am selben Tag wie Rahel. Abgesehen von diesen Informationen findet Bilha bei nachbiblischen Lesern und Verarbeitern der biblischen Erzelterngeschichte allenfalls als Leihmutter Erwähnung; an sich ist ihre Person von geringem Interesse. Bloß die Initiative, auf Grund derer sie Jakob zugeführt wird, wird unterschiedlichen Personen zugesprochen. In der biblischen Erzählung ist es Rahel selbst, die in ihrer kinderlosen Verzweiflung zu diesem Mittel der Leihmutterschaft greift und ihre Magd Bilha ihrem Ehemann zuführt (Gen 30,3f). Im Midrasch Bereschit Rabba (→ Midrasch) wird die Initiative Jakob zugeschrieben, und im Josephroman von Thomas Mann, der von Bilha als von „einem anmutigen Ding, vor deren Reizen später Lea völlig das Feld räumen musste“ spricht (Die Geschichten Jaakobs, 316), geht die Idee auf Laban zurück, der es nicht mit ansehen kann, dass seine Tochter kinderlos bleibt.

3. Bilha, ein Ort Simeons

1Chr 4,28-33 nennt Orte des Stammes Simeon in Aufnahme von Jos 19,1-9. In 1Chr 4,29 wird Bilha als Name eines der Orte Simeons genannt. Er ist vielleicht mit Bala in Jos 19,3 identisch (eventuell auch mit Baalat-Beer in Jos 19,8) sowie mit dem Baala, das in Jos 15,10 unter den Grenzorten des Stammesgebietes Judas und in Jos 15,29 in einer Liste von Orten Judas erwähnt wird, die sich mit der Liste der Orte Simeons überschneidet.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • Lexikon der biblischen Eigennamen, Düsseldorf / Zürich 1981
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Eerdmans Dictionary of the Bible, Grand Rapids 2000
  • Jerusalemer Bibel-Lexikon, 4. Aufl., Neuhausen-Stuttgart 1998

2. Weitere Literatur

  • Blum, E., 1984, Die Komposition der Vätergeschichte (WMANT 57), Neukirchen-Vluyn
  • Briend, J., 2001, Genèse 35,16-22a, in: J.D. Macchi / Th. Römer (Hgg.), Jacob. Commentaire à plusieurs voix de / Ein mehrstimmiger Kommentar zu / A Plural Commentary of Gen. 25-36 (FS A. de Pury; Le Monde de la Bible 44), Genève, 267-275
  • Engelken, K., 1987, Art. פִּלֶגֶשׁ pilægæš, ThWAT VI, 586-598
  • Klein, R.A., 2007, Jakob. Wie Gott auf krummen Linien gerade schreibt (BG 17), Leipzig
  • Mann, Th., 1994, Joseph und seine Brüder. Erster Roman: Die Geschichten Jaakobs, Frankfurt am Main
  • Stamm, J.J., 1980, Hebräische Frauennamen; in: ders., Beiträge zur hebräischen und altorientalischen Namenkunde (OBO 30), Freiburg (Schweiz) / Göttingen, 97-135
  • Westermann, C., 1976, Art. עֶבֶד Knecht, THAT II, 182-200
  • Zakovitch, Y. / Shinan, A., 1983, The Story about Reuben and Bilhah. Gen. 35:21-26 in the Bible, The Old Versions and the Ancient Jewish Literature (Research Projects of the Institute of Jewish Studies, Monograph Series 3), Jerusalem (hebräisch)
  • Zohary, M., 1983, Pflanzen der Bibel, Stuttgart

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