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Lexikon

Bekenntnis (NT)

Christfried Böttrich

(erstellt: Sept. 2015)

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1. Problematik

Der Begriff des Bekenntnisses steht in der christlichen Tradition ganz im Banne jener frühen Glaubensbekenntnisse, die vom 4. Jh. an in den Kirchen des Ostens und Westens Geltung erlangen – allen voran das Athanasianum, Apostolikum und Nizäno-Konstantinopolitanum (Kelley, 1993). Diese Form des Bekenntnisses erlebt eine lange Nachgeschichte, deren jüngstes Kapitel die Barmer Theologische Erklärung von 1934 enthält. Ihre Vorgeschichte reicht indessen weit zurück bis zu den Anfängen der christl. Gemeinde.

Die ältere → Formgeschichte hat vor allem das NT selbst als den Wurzelboden frühchristl. Bekenntnisbildung betrachtet. Mit großem Optimismus versuchte man, aus formelartigen Sätzen und geprägten Wendungen Bausteine für die späteren Glaubensbekenntnisse oder sogar für einen kompletten „Katechismus der Urchristenheit“ (Seeberg, 1903) zusammenzutragen. Inzwischen ist hier ein deutlicher Umschwung erfolgt. Er verdankt sich der Einsicht, dass geprägte Sprache zuerst in ihrem vorliegenden Kontext sowie in ihrer unmittelbaren literarischen Funktion wahrzunehmen ist und nicht vorschnell als Relikt oder Zitat liturgischer Vorgänge in Anspruch genommen werden kann.

Der Vorgang des „Bekennens“ - sei es als Sprechakt oder als Handlungsschema – spiegelt sich in den Schriften des NT auf vielfältige Weise wider. Das zeigt sich an einer nuancierten Terminologie, am Selbstverständnis des Glaubens, an verschiedenen Bekenntnissituationen sowie schließlich auch an bestimmten Inhalten, die im Zuge der Bekenntnisbildung in sachlicher und formaler Verdichtung konsensfähig zum Ausdruck gebracht werden.

2. Terminologie

In der hebr. Bibel fungiert als bevorzugter Ausdruck für den Bekenntnisvorgang die Verbalwurzel ידה / jdh II, deren semantisches Spektrum in den Lexika neben „bekennen“ auch die Bedeutungen „loben“ und „preisen“ umfasst. Ihre Grundbedeutung lässt sich am besten als das „öffentliche Bekunden von Loyalität“ bzw. ein „offenes Stehen-zu“ (Ruwe, 2014) beschreiben. Daran knüpft auch der Sprachgebrauch der → LXX an, die jdh in genau dieser Bedeutung mit ὁμολογέω / homologéō und seinen Derivaten wiedergibt.

Die Etymologie des griech. Begriffes ist unmittelbar evident: ὁμολογέω bedeutet nichts anderes als schlicht „dasselbe sagen“. Jeder entsprechende Ausdruck zielt demnach auf Konsens ab. Von hier aus weitet sich im profanen Sprachgebrauch das semantische Feld aus auf Bedeutungen wie: übereinstimmen, zustimmen, einwilligen, zugestehen, zugeben, eingestehen, gestehen, bekennen, anerkennen, bejahen, öffentlich erklären, behaupten, zusagen, versprechen, vereinbaren, sich verpflichten, einen Vertrag schließen. Diese Nuancen sollten im jeweiligen Kontext auch nicht verwischt werden. Gemeinsamer Nenner bleibt, dass ὁμολογέω eine sprachliche Äußerung bezeichnet, die zustimmend auf eine Sache oder eine Person bezogen ist.

Die wenigen Komposita, die das NT zu bieten hat, nehmen Modifikationen vor. ἀνθομολογέομαι / anthomologéomai und ἐξομολογέω / exomologéō stehen vor allem für die Bedeutung „loben / preisen“ im Sinne rühmender Zustimmung (Lk 2,38; Lk 10,21 / Mt 11,25; Röm 14,11; Röm 15,9); ἐξομολογέω findet im Besonderen Verwendung für das → Bekennen von Schuld (Mk 1,5 / Mt 3,6; Apg 19,18; Jak 5,16), kann aber auch schlicht für „etwas versprechen“ (Lk 22,6) stehen. Als ὁμολογουμένως / homologuoménōs wird in 1Tim 3,16 das bezeichnet, was offenkundig, unbestreitbar, ohne jeden Zweifel oder nach dem Urteil aller anerkannt ist. Die abgeleiteten Nomina „ὁμολογία / homologia /Bekenntnis“ (2Kor 9,13; 1Tim 6,12.13; Hebr 3,1; Hebr 4,14; Hebr 10,23) und „ὁμολογήτης / homologētēs / Bekenner“ (im NT nicht gebraucht) vervollständigen das Wortfeld.

Als Antonym erscheint bereits in der LXX das Verb „ἀρνέομαι / arnéomai (ἀπαρνέομαι / aparneomai) / verleugnen“. In unmittelbarem Bezug auf ὁμολογέω bezeichnet es den Sprechakt der Ablehnung, Versagung oder Verwerfung, in seiner religiöse Dimension vor allem die Bestreitung eines Konsenses oder die Aufkündigung von Loyalität (37x). Reflexiv gebraucht beschreibt es die Preisgabe von Identität in Form der „Selbstverleugnung“ (Mk 8,34 / Mt 16,24 / Lk 9,23). Bekennen und verleugnen sind damit zwei Seiten ein und derselben Medaille (direkt aufeinander bezogen etwa in Lk 12,8-9 / Mt 10,32-33; Tit 1,16; 1Joh 2,23). Sie sind Teil eines Kommunikationsprozesses, der von der Wahl verschiedener Optionen lebt.

Sachliche Nähe hat auch der Begriff „μαρτυρέω / bezeugen“ (76x) mit den abgeleiteten Nomina „μαρτυρία / Zeugnis“ (37x) oder „μαρτύριον / Zeugnis“ (19x) und „μάρτυς / Zeuge → Zeuge / Zeugnis“ (35x). Er bezeichnet vorzugsweise die öffentliche Bestätigung oder Beglaubigung eines bestimmten Sachverhaltes aufgrund eigener Erfahrung. Er steht primär in einem juridischen Horizont und zielt auf die Zuverlässigkeit einer Aussage ab. Im religiösen Kontext steht er für die authentische Bekundung einer Glaubenshaltung. Das Verständnis des μάρτυς als eines „Blutzeugen“ gewinnt der Begriff jedoch erst vom 2. Jh. n. Chr. an.

Die Terminologie allein vermag das Phänomen noch nicht ausreichend zu erfassen. Bekenntnisaussagen und Bekenntnishaltungen sowie Bekenntnissituationen lassen sich auch unabhängig von der beschriebenen Terminologie identifizieren.

3. Glauben und Bekennen

In der frühen Christenheit macht der Begriff des „→ Glaubens“ Karriere und avanciert zu einer Art Markenzeichen des neuen „christlichen“ Selbstverständnisses (Weder, 1992). Auf zentrale Weise bringt er das Gottesverhältnis des Menschen zum Ausdruck und bewahrt sich zugleich eine bemerkenswerte Polyvalenz. Grundlegend impliziert der Begriff πίστις, dass die damit beschriebene Gottesbeziehung nicht im Verborgenen bleibt, sondern hörbar und sichtbar wird. Wer glaubt, exponiert sich und macht seine Gottesbeziehung öffentlich. Glaube drängt auf Kommunikation.

* 2Kor 4,13: „Wir haben aber ein und denselben Geist des Glaubens, gemäß dem, was geschrieben steht: ‚Ich habe geglaubt; deshalb habe ich geredet (Ps 116,10).‘ So glauben auch wir, und darum reden wir.“ Die sprachliche Äußerung des Glaubens bedient sich des Wortes der → Verkündigung, der gegenseitigen Stärkung und Ermahnung, des → Gebetes, der liturgischen Gemeinschaft - und eben auch der Bekundung der eigenen christl. Identität bzw. des Bekenntnisses.

* Röm 10,9: „Denn wenn du bekennst (ὁμολογήσῃς) mit deinem Mund: ‚Kyrios ist Jesus!‘ und wenn du glaubst (πιστεύσῃς) in deinem Herzen: ‚Gott hat ihn auferweckt von den Toten!‘, dann wirst du gerettet werden.“ Die sachliche Reihenfolge rückt der folgende Vers zurecht (Röm 10,10): „Denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber bekennt man zur Rettung.“ Das Herz, in dem der Glaube seinen Ort hat, ist der Annahme und rationalen Bewältigung des → Christusereignisses vorbehalten; der Mund macht die individuelle Erkenntnis öffentlich.

Wie der Glaube, so lebt auch das Bekenntnis von der Wirksamkeit des Geistes Gottes. In 1Kor 12,3 heißt es: „Niemand kann sagen: ‚Kyrios ist Jesus!‘ außer durch den heiligen Geist.“ Die Bekenntnisformel ist hier sichtbar die gleiche wie in Röm 10,9. Der Geist Gottes, der in den Glaubenden „Wohnung nimmt“, weckt nicht nur Glauben, sondern wird auch zum Impulsgeber dafür, diesen Glauben öffentlich zu bekunden.

4. Bekenntnissituationen

„Eine Bekenntnissituation ist dort gegeben, wo sich christl. Glaube öffentlich äußert mit der Absicht, eindeutig identifizierbar zu sein; diese Absicht setzt sowohl die Zuordnung zur als auch den Konsens mit der eigenen Glaubensgemeinschaft voraus.“ (Böttrich, 2014, 79)

Grundlegend lassen sich zwei Arten von Bekenntnissituationen unterscheiden: bei der einen dominiert die interne Ausrichtung – es geht um die innergemeindliche Selbstvergewisserung; in der anderen dominiert die externe Ausrichtung – es geht um die Bekundung der eigenen religiösen Identität gegenüber „anderen“.

4.1. Selbstvergewisserung (intern)

Bekenntnissituationen mit internem Bezug weisen eine Spannweite auf, die von der theologischen Reflexion über die gemeindeinterne Paränese und die liturgische Praxis bis hin zum Vollzug der → Taufe reicht. Auch das gegenseitige Offenlegen von → Schuld als Sonderform des Bekennens gehört in diesen internen Bereich, soll hier aber unter der Perspektive ihres Inhaltes (5.2. Schuldbekenntnis) behandelt werden.

4.1.1. Selbstreflexion

Sätze wie Röm 10,9 oder die zahlreichen formelhaften Aussagen zu Tod und → Auferstehung Jesu stehen ausnahmslos in argumentativen Zusammenhängen. Primär sind sie Teil theologischer Reflexion, die den Glauben möglichst klar und fasslich zu formulieren versucht. Zwei Beispiele können diese grundlegende Situation veranschaulichen.

* 1Kor 15,3-7: Paulus greift klärend in einen Streit um die Auferstehungshoffnung ein. Strittig ist dabei die Art und Weise der Auferstehungs-Wirklichkeit. Paulus wählt für seine Argumentation einen Fixpunkt, der unschwer als Bekenntnisformel zu erkennen ist (Einführung als „überliefert“; Zweigliedrigkeit der Aussage; strenge Symmetrie; geprägte Sprache). Ausdrücklich verweist Paulus auf einen dreifachen Konsens: zwischen ihm und seinen Tradenten, ihm und der → Gemeinde, sowie ihm und dem apostolischen Zeugnis insgesamt. Diese interne theologische Verständigung, deren dichtester Ausdruck jene alte Formel ist, wird nun zum Ansatzpunkt für die weitere theologische Argumentation.

* 1-3 Joh: Im Zentrum der Briefe steht ein Streit um die Christologie, genauer um die Frage der Inkarnation. Auch hier fungiert das Bekenntnis, „dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist“ (2Joh 7), als Argumentationsbasis. Es markiert, woran sich richtige und falsche Lehre messen lassen müssen. Das Bekenntnis erscheint in der Polarität von „bekennen“ und „verleugnen“ (1Joh 2,23) und stellt in einer Situation zunehmender Pluralisierung den entscheidenden innergemeindlichen Orientierungspunkt dar.

4.1.2. Paränese

Bekenntnisaussagen gewinnen auch in paränetischen Zusammenhängen Orientierungsfunktion. Bei der Klärung konkreter Alltagsfragen erweist sich der Rückbezug auf das, was unbestritten gemeinsamer Konsens ist, als unverzichtbar. Wiederum können zwei Beispiele genügen.

* 1Kor 8.10: In Korinth wird die Frage des Fleischverzehrs zum Problem. Darf man Fleisch essen, das aus → kultischen Schlachtungen stammt? → Paulus gibt Entwarnung und setzt dabei fundamental bei dem Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes an (1Kor 8,4) - in seiner negativen und positiven Fassung: „Es gibt keinen Götzen in der Welt. Und: Es gibt keinen Gott außer dem einen.“ Der zweite Teil formuliert das, was im Kontext des Schema Jisrael (Dtn 6,4) die Gestalt eines → Gebotes hat, in Form einer apodiktischen Aussage, die erst jetzt und auf diese Weise den Charakter eines Bekenntnisses erhält. Damit ist der Fall entschieden. Fleisch ist Fleisch und kann gar nichts Dämonisches an sich haben. Alles weitere gehört auf die Ebene von Ausführungsbestimmungen.

* Phil 2,1-11: In Phil 2,1-4 mahnt Paulus die Gemeinde zu Statusverzicht und Selbstrücknahme. Zur theologische Begründung dient das Vorbild Christi, in Anspruch genommen durch die Formulierung „seid untereinander aus auf das, was auch in Christus Jesus ist“ (Phil 2,5). Ob das folgende Enkomion / der Hymnus auf Christus (Phil 2,6-11) bekenntnisartigen Charakter hat, kann man diskutieren. Offensichtlich aber sind seine Kernpunkte Konsens, so dass sich die paulinische Paränese daran anschließen kann.

4.1.3. Liturgie

Der → Gottesdienst der Frühzeit, wie er etwa in 1Kor 11-14 sichtbar wird, kennt neben freien, zum Teil ekstatischen Äußerungen auch die Rezitation fester, fixierter Wortlaute. Das betrifft z.B. die „Einsetzungsworte“ beim → Herrenmahl (1Kor 11,23-26), ein Gebet wie das → Vaterunser (Lk 11,2-4 / Mt 6,9-13 / Did 8,1-3) oder Texte wie „→ Psalmen, → Hymnen und geistliche Oden“ (1Kor 14,15.26-33; Kol 3,16-17; Eph 5,19-20). Solche Texte, die regelmäßig gesprochen, repetiert, memoriert und verinnerlicht werden, enthalten Kernaussagen des christl. Glaubens. Sie sind auf Konsens hin angelegt und bringen das Selbstverständnis der Gemeinde zum Ausdruck. Darin ist auch die ganze semantische Spannweite des Begriffes ידה jdh / ὁμολογέω homologeō angelegt, die sich zwischen den Polen „loben / preisen“ und „bekennen“ bewegt.

Leider gibt es keine einzige Bekenntnisaussage, die eindeutig oder ausschließlich einem liturgischen Kontext zugeordnet werden könnte. Sehr wahrscheinlich lassen sich die Autoren des NT hier und da von entsprechenden Formulierungen aus ihrer gottesdienstlichen Erfahrung anregen. Sicher nachweisen lässt sich das nicht.

Dennoch muss der Gottesdienst ein zentraler Ort für die Bekenntnisbildung gewesen sein. In der Anbetung stellt sich die Notwendigkeit ein, das Gegenüber (Gott oder Christus) anzusprechen, zu identifizieren, mit Namen, Prädikationen und Epitheta zu benennen oder hymnisch zu preisen. Jede dieser titularen oder hymnischen Lobpreisungen aber enthält eine komprimierte Bekenntnisaussage, die gleichzeitig der Selbstvergewisserung und gegenseitigen Bestätigung dient.

Ein großer Teil der christologischen Hoheitstitel könnte hier entstanden sein. Hymnische Entfaltungen des Heilsgeschehens in Christus (wie z.B. Phil 2,6-11; Kol 1,15-20; 1Tim 3,16; 2Tim 2,5-6) eignen sich ganz besonders für den liturgischen Gebrauch - auch wenn sie an ihrem jeweiligen Ort im NT wohl primär literarischen Ursprungs sein mögen.

4.1.4. Taufe

Die → Taufe ist von der älteren Formgeschichte als die Ursituation der Bekenntnisbildung betrachtet worden. Hier musste die neue Identität bzw. die Loyalität gegenüber dem Auferstandenen auf knappe, formalhafte Weise zum Ausdruck gebracht werden. Leider ist auch über den Vollzug der Taufe in der Frühzeit nur wenig bekannt.

Bereits gegen Ende des 1. Jh.s wird die Taufe, die ursprünglich auf den „Namen des Herrn Jesus“ erfolgt (z.B. Apg 2,38; Apg 8,16; Apg 10,48; Apg 19,5), unter Benutzung einer trinitarischen Formel vollzogen (Mt 28,20; Did 7,1). Vom 3. Jh. an lässt sich dann eine Praxis belegen, die auf diese Dreigliedrigkeit Bezug nimmt (Staats, 2011). Drei Mal wird der Täufling untergetaucht, womit sich drei Fragen nach Vater, Sohn und Geist sowie die entsprechenden Antworten verbinden: „Glaubst du an ...? Ich glaube!“ Aus dieser interrogatorischen Form entwickelt sich später eine deklaratorische, die nun näher ausführt, was mit Vater, Sohn und heiligem Geist präzis gemeint ist.

* Apg 8,37: Irgendeine Form der Zustimmung muss es von Anfang an gegeben haben, auch wenn die Taufepisoden der Apg ein Bekenntnis erstaunlichweise übergehen. Immerhin trägt ein Tradent (Codex E08, 6. Jh., und andere) ein solches zu Apg 8,36-38 nach: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“ So etwa könnte man sich tatsächlich - in Analogie zu ähnlichen überlieferten Formeln („Jesus ist der Kyrios“: Phil 2,11; 1Kor 12,3; 2Kor 4,5; Röm 10,9; „Jesus ist der Christus“: Apg 9,22; Apg 18,5.28) - ein archaisches Taufbekenntnis vorstellen.

* Röm 10,9: Vielleicht steht hinter dieser Aussage eine Tauffrage wie „Glaubst du, dass Jesus der Kyrios ist und dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat?“, auf die der Täufling dann mit „Ich glaube!“ antwortete. Aber das bleibt Spekulation.

* 1Tim 6,12: Auch hier liegt die Situation der Taufe am nächsten. Der fiktive Adressat „Timotheus“ wird ermahnt und erinnert: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens! Ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen bist und für das du bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen!“ Eine Alternative wäre (aufgrund des Stichworts „→ Berufung“) die öffentliche Einsetzung in eine bestimmte Gemeindefunktion. Da es jedoch um nicht mehr und nicht weniger als um eine Berufung „zum ewigen Leben“ geht, liegt hier wohl eher ein Stück Tauferinnerung vor.

4.2. Selbstdarstellung (extern)

Bekenntnissituationen mit einem externen Bezug sind so vielfältig wie die denkbaren Adressaten. Hier sieht sich das Bekenntnis vor allem mit Zustimmung und Ablehnung konfrontiert.

4.2.1. Verkündigung

Der Glaube drängt darauf, mitgeteilt zu werden. „→ Verkündigung“ ist demnach eine grundlegende Kommunikationsform des Glaubens (Gal 1,23). Eine solche Verkündigung muss, wenn sie Erfolg haben will, identifizierbar sein und Position beziehen. Das favorisierte Verb für diesen Vorgang – nämlich εύαγγελίζομαι / euangelizomai – signalisiert, worum es geht: um das Heilsereignis von Tod und Auferstehung Jesu. Davon muss man erzählen. Die Identität des Gekreuzigten und Auferstandenen aber lässt sich am besten in knappe Sätze fassen. Einige dieser Sätze sind in Verkündigungssituationen eingebunden, andere sind unmittelbar als Bekundung christologischer Erkenntnis formuliert:

* „Jesus ist der Kyrios!“: Phil 2,11; 1Kor 12,3; 2Kor 4,5; Röm 10,9

* „Jesus ist der Christus / Messias!“: Apg 9,22; Apg 18,5.28

* „Jesus Christus ist der Gekreuzigte!“: Gal 3,1; 1Kor 2,1

* „Jesus ist der Sohn Gottes!“: Mt 14,33; Mt 16,16; Mk 15,33 / Mt 27,54 / Lk 23,47; (Apg 8,37)

* „Christus ist für uns gestorben!“: 1Thess 5,10; 1Kor 1,13; 1Kor 8,11; 2Kor 5,14; Gal 2,21; Röm 5,6.8; Röm 14,15

* „Gott hat seinen Sohn für uns dahingegeben!“: Röm 4,25; Röm 8,32

* „Gott hat Jesus auferweckt von den Toten!“: 1Thess 1,10; Röm 10,9 (als partizipiale Gottesprädikation: Röm 4,24; Kol 2,12; 1Petr 1,21)

Aussagen wie diese, deren Grundform auch in ihren Anpassungen an den jeweiligen Kontext noch deutlich genug erkennbar bleibt, haben weitreichende Konsequenzen. Sie provozieren und machen sich angreifbar, müssen bewährt, begründet und verteidigt werden. An solchen knappen, bekenntnisartigen Sätzen aber lässt sich die christliche Verkündigung am einfachsten erkennen. Dabei ist sie auch am leichtesten zu behaften.

4.2.2. Verteidigung

Wer sich öffentlich exponiert, muss mit Konflikten rechnen. Unvermeidbar kommt es im Zuge der Verkündigung auch zu feindseligen Reaktionen. Gezielte Repressalien schließen sich an. Die Bekennerinnen und Bekenner werden herausgefordert, ihren Glauben zu vertreten - oder ihm abzuschwören. Diese Situation lässt sich erstmals in aller Klarheit bei den jüd. → Märtyrerinnen und Märtyrern während der syrischen Religionskrise beobachten (2Makk 6-7).

Was für die jüd. Frommen die Treue zur → Tora und zu den „väterlichen Überlieferungen“ ist, wird für die Christusgläubigen ihre Zugehörigkeit zu Jesus Christus. Daran entzündet sich der Konflikt, der von der einfachen Verspottung bis hin zur Bedrohung des Lebens reichen kann. In der Konfrontation wird ihnen abverlangt, zu fluchen statt zu bekennen (1Kor 12,3), zu leugnen (Apk 2,13; Apk 3,8) oder ein Gegen-Bekenntnis wie in MartPolyk 8,2 („Kyrios ist der Kaiser!“) zu sprechen.

Zu Konfliktsituationen kommt es anfangs und in begrenztem Maße gegenüber dem Synedrion oder dem Synagogenverband, bald aber auch gegenüber den Behörden der → Polis (Lk 12,11-12).

* Lk 12,1-12: Dieser Passus hat für die Besonderheiten einer Verteidigungssituation Schlüsselcharakter. Ausgangspunkt ist die Warnung vor Heuchelei - nicht die Verstellung, sondern das authentische Auftreten kennzeichnet den Glauben, der ohnehin nicht verborgen bleiben kann. Daraus wird die Ermutigung abgeleitet, über die zeitlich begrenzten Bedrängnisse hinauszublicken und auf die Fürsorge Gottes zu vertrauen. Der zentrale Passus Lk 12,8-10 konstatiert, dass „bekennen“ und „verleugnen“ gegenüber Jesus eine → eschatologische Bestätigung durch „den → Menschensohn“ erfahren wird. Das irdische Forum (vor den Menschen) und das himmlische Forum (vor den Engeln Gottes) stehen zueinander in Beziehung.

* Mk 14,66-72 / Mt 26,69-75 / Lk 22, 56-62: Die dramatische Erzählung von der → Verleugnung des Petrus thematisiert in pointierter Weise die Frage der Zugehörigkeit. Petrus wagt mehr als die anderen. In der Situation konkreter Bedrohung aber versagt er Jesus die Loyalität und leugnet, anstatt zu bekennen. Diese Episode ist in der Überlieferung paränetisch ausgestaltet worden und wehrt damit vor allem rigoristischen Tendenzen. Man kann in Bekenntnissituationen auch scheitern. Selbst ein Petrus ist davon nicht ausgenommen. Doch der Weg der → Umkehr steht jederzeit offen. Anders beurteilt Hebr 6,4-6 / Hebr 10,26-27 die Chance einer „zweiten Buße“.

* Apg 24: Paulus muss sich vor dem röm. Prokurator Felix in → Cäsarea maritima gegen die Anklage seiner Jerusalemer Kontrahenten verteidigen. Den positiven Teil seiner → Apologie eröffnet er mit einem Bekenntnis: „Das aber bekenne ich dir: Nach dem Weg, den sie eine Schule nennen, diene ich dem Gott der Väter so ...“ (Apg 24,14) - was folgt, ist eine Loyalitätserklärung gegenüber der Tora und den → Propheten, vor allem aber eine Berufung auf die → Auferstehungshoffnung.

* 1Tim 6,13: Schon früh ist das Verhör Jesu durch → Pontius Pilatus (Mk 15,2-5 / Mt 27,11-14 / Lk 23,2-5) als eine Art Modellbild für das Bekenntnis in einer Verteidigungssituation verstanden worden. In der Erzählung selbst fällt der Begriff nicht, aber die Sache ist eindeutig gegeben: Der Delinquent steht zu dem, was man ihm vorwirft – sei es durch Schweigen, sei es durch eine kurze Bestätigung. Für 1Tim 6,13 hat sich diese Haltung dann im Rückblick zum Beispiel eines „guten Bekenntnisses“ verdichtet, mit dem der Bekenner zugleich „→ Zeugnis“ ablegt.

Damit drängt sich bereits eine Frage auf, die freilich erst im 3. Jh. virulent wird: Was genau bekennen Christen eigentlich, wenn sie ihres Glaubens wegen zur Verantwortung gezogen werden? Denn so wie die Abendmahlsworte steht auch das Taufbekenntnis in dieser Zeit noch unter → Arkandisziplin.

5. Bekenntnisinhalte

Das Bekenntnis der frühen Christenheit hat vor allem einen Inhalt: Jesus Christus. In der Präzisierung dieses Inhaltes geht es darum,

  • einerseits die Identität „des Christus“ genauer zu fassen,

  • andererseits die Zugehörigkeit zu „dem Christus“ zu bekunden.

Das erste geschieht in titularen, formelhaften oder hymnischen Kurzfassungen christologischer Kernaussagen, das andere erfolgt prägnant durch die Bezeichnung der Anhängerinnen und Anhänger Jesu von Nazaret, des Auferstandenen und Erhöhten, als „Χριστιανοί / Christianer“ (Apg 11,26).

Erst allmählich kommt auch das Bekenntnis zu dem einen Gott, dem Vater Jesu Christi und Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, hinzu. Der Geist Gottes als Größe, die mit der Taufe in den Glaubenden „Wohnung nimmt“, befähigt zum Bekennen (Lk 12,11-12); zum eigenständigen Inhalt wird er jedoch erst im Zusammenhang der Ausprägung einer dreigliedrigen Taufformel. Die Kirche, die noch im Entstehen begriffen ist, spielt dabei keine Rolle und stellt auch später keinen eigenständigen Inhalt dar; das Apostolikum ordnet die Kirche später der Wirksamkeit des Geistes zu.

Das Schuldbekenntnis vertritt insofern eine Sonderform, als hier die eigene Verfehlung den Inhalt des Bekenntnisses bildet.

Auch nonverbal können bestimmte Handlungsmuster oder Verhaltensschemata als Ausdruck eines Bekenntnisvorganges verstanden werden.

5.1. Glaubensbekenntnis

Kern und Kristallisationspunkt aller Bekenntnisinhalte ist die Christologie. Alle weiteren Bekenntnisinhalte sind Entfaltungen des Glaubens an Jesus Christus.

5.1.1. Titulare Identitätsaussagen

Wer Jesus von Nazaret ist, bedarf einer genaueren Bestimmung. Das geschieht auf kürzeste und prägnanteste Weise durch die Zuschreibung verschiedener Würde- oder → Hoheitstitel. Jeder dieser Titel enthält ein Konzept, das für eine Facette der Identität Jesu steht. Alle zusammen stellen Annäherungen an sein Persongeheimnis dar. Ihre Zahl ist begrenzt, doch erst in ihrer Gesamtheit vermögen sie jenes Bild zu entwerfen, das für die frühchristliche Bekenntnisbildung verbindlich wird.

* → Christus / Messias: Mit dem Christustitel wird Jesus in die Perspektive der Glaubens- und Hoffnungsgeschichte Israels gerückt. Dabei wandelt sich jedoch das Bild des politischen Hoffnungsträgers zu dem des leidenden und gekreuzigten „Gesalbten“.

* → Kyrios: Die Auszeichnung mit dem Kyriostitel überträgt den bevorzugten Ersatznamen Gottes auf den Auferstandenen und Erhöhten und führt ihn damit in die gleiche Machtfülle und Hoheit Gottes selbst ein.

* → Sohn Gottes: Als Sohn ist Jesus nicht nur – gleich dem König in Israel – Repräsentant Gottes in seinem Volk. Vielmehr wird damit nun auch sein Ursprung bei Gott ausgesagt und der Gedanke der → Präexistenz vorbereitet.

* weitere Titel: Wenn Jesus als Prophet, → Lehrer oder → Arzt bezeichnet wird, wenn er als Menschensohn, → Logos, → Retter, Richter, Hoherpriester, Mittler, Bürge, → Hirte, → Lamm, Alpha und Omega, Bild Gottes, Erstgeborener, Anführer, Haupt, Lebendiger, Löwe aus dem Stamm Juda, Morgenstern und vieles anderes mehr erscheint, wenn er schließlich ganz direkt und unumwunden Gott genannt wird – dann sind damit nur verschiedene Aspekte des Bekenntnisses zu seiner Heilsbedeutung formuliert, die einen bestimmten Spielraum abstecken.

5.1.2. Formelhafte Verdichtungen

Alle titularen Umschreibungen der Identität Jesu konzentrieren sich in der Überzeugung, dass sein Tod und seine Auferstehung Heilsbedeutung haben. In diesem Zweitakt von → Karfreitag und → Ostern, Ende und Neubeginn, Tod und Leben lässt sich der Pulsschlag der frühchristlichen Bekenntnisbildung am deutlichsten vernehmen.

* 1Kor 15,3-5(-8): Diese alte Formel, die Paulus bereits als ein Stück frühchristlicher Überlieferung übernommen hat (in → Damaskus? in Antiochia?), verbindet Tod und Auferstehung in bewusster Symmetrie. Ihr Zweitakt wird durch zwei Zusätze unterstrichen: A. er ist gestorben - und begraben (also wirklich gestorben), B. er ist auferstanden - und erschienen (also wirklich auferstanden); beides ist „gemäß den Schriften“ geschehen; die verdeutlichende Aussage „er ist erschienen“ erhält durch eine alte Liste von Zeugen des Auferstandenen eine weitere Bestätigung.

* Phil 2,6-11: Tod und Auferstehung werden in diesem Passus, der sich hymnischer Sprache bedient, durch die Figur von „Erniedrigung und Erhöhung“ zum Ausdruck gebracht. Auch hier gibt es Präzisierungen: die Erniedrigung führt bis zum → Tod am Kreuz, die Erhöhung mündet in die Verleihung des Kyriosnamens. Ausgangs- und Zielpunkt dieses Weges liegen bei Gott.

* Joh 1,1-18: Der so genannte Logos-Hymnus setzt zu Beginn des Textes einen christologischen Akzent, der dann in vielfältigen Modifikationen wiederkehrt. Tod und Auferstehung werden dabei vor allem durch die Figur von „Abstieg und Aufstieg“ interpretiert. Auch hier liegen Ursprung und Ziel bei Gott. Tod und Auferstehung fließen in dem Begriff der „Verherrlichung“ zusammen.

5.1.3. Hymnische Darstellungen

„Bekennen“ und „Lobpreisen“ gehören ihrem Wesen nach zusammen. Das wird besonders an einer Reihe von hymnischen Texten deutlich, die in gebundener, auf Wiederholung und Einprägung angelegter Sprache christologische Kernaussagen formulieren.

* Röm 8,34: Dieser Passus erweitert den Zweitakt von „gestorben und auferweckt“ um das Sein „zur Rechten des Vaters“ und die Rolle des Erhöhten als die eines Fürbitters.

* Phil 2,6-11: Erniedrigung und Erhöhung werden in diesem „Christus-Hymnus / Christus-Enkomion“ in zwei Strophen zu je drei Gliedern entfaltet. Der Gepriesene war bei Gott, er wird Mensch, er erniedrigt sich bis zum Tod; er wird erhöht und ausgezeichnet, die ganze Schöpfung huldigt ihm, das Bekenntnis als Kyrios erfolgt zur Ehre Gottes.

* 1Tim 2,5-6: Explizit werden nun der „eine Gott“ und der „eine Mittler zwischen Gott und Mensch“ als ein „Zeugnis zur rechten Zeit“ präsentiert. Die bereits in Röm 8,34 angedeutete Mittlerfunktion Jesu erhält zudem eine soteriologische Präzisierung: der Mensch Jesus Christus ist derjenige, „der sich zum Lösegeld für alle gab.“

* 1Tim 3,16: Dieser kleine „Christus-Hymnus“ erzählt eine Geschichte, die gleichsam zwischen Himmel und Erde spielt und die als „anerkanntermaßen groß“ (und somit als konsensfähig) eingeführt wird. Seine sechs Glieder enthalten die Stationen „offenbart im Fleisch, gerecht erwiesen im Geist, erschienen den Engeln, verkündigt unter den Völkern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit“.

* 1Petr 3,18-20: Im Horizont des Taufgeschehens erscheint das Christusereignis nun in den Etappen 1. Leiden mit dem Ziel einer Weg-Führung zu Gott, 2. Verkündigung bei den Verstorbenen (ein möglicher, sekundär so gedeuteter Haftpunkt für den descensus ad inferos), 3. Erhöhung und Machtübertragung.

5.1.4. Theologische Horizonterweiterungen

Mit dem Schritt der frühchristlichen Mission über die Grenzen Israels hinaus wird auch der Bezug auf den einen einzigen Gott zum Thema. In der polytheistischen Religiosität der → hellenistisch-römischen Welt bedarf es zunächst einer Verkündigung dieses einen Gottes, bevor die Heilsbotschaft von Tod und Auferstehung Jesu zur Sprache gebracht werden kann. Dabei stellt sich dann auch das Problem ein, die Zuordnung des Erhöhten zu diesem einen Gott so auszusagen, dass dessen Einzigkeit kein Abbruch geschieht.

* 1Thess 1,9: Klassisch bringt Paulus die Situation der Adressaten auf den Punkt. Sie mussten sich zunächst „von den Götzen zu Gott“ bekehren, „um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen“. Das Bekenntnis zu dem lebendigen Gott fungiert als Voraussetzung für das Bekenntnis zu Jesus Christus.

* 1Kor 8,4-6: Im Konflikt um den Verzehr von „Götzenopferfleisch“ argumentiert Paulus grundsätzlich mit der Einzigkeit Gottes (Dtn 6,4). Dann aber koordiniert er in betonter Abgrenzung von den vielen „so genannten“ Göttern und Kyrioi auf subtile Weise Vater und Sohn: „so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, aus dem alles ist und wir auf ihn hin, und einen Kyrios Jesus Christus, durch den alles ist und wir durch ihn.“

* 1Tim 2,5-6: Ganz ähnlich bemüht sich auch dieser Passus um eine Klärung der Beziehung: „einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Jesus Christus“.

Die Offenheit einer solchen Beziehung zeigt sich bereits dort, wo Gottesprädikationen auf Jesus Christus übertragen werden (Kyrios, Retter, Wahrhaftiger, Richter, König, Erster und Letzter, Gott). Zwischen Identifikation und Abgrenzung gibt es fließende Übergänge. Dieser Befund wird zum entscheidenden Impuls für die spätere Ausarbeitung des christologischen und trinitarischen Dogmas. Die gelegentlich zu beobachtenden binären oder triadischen Formulierungen spielen hier nur eine untergeordnete Rolle.

5.2. Schuldbekenntnis

In seinem sprachlichen Ausdruck gleicht das Schuldbekenntnis allen anderen Bekenntnisformen. Seine Besonderheit liegt allein in seinem spezifischen Inhalt, der in der Offenlegung von Schuld (gegenüber Gott oder den Mitmenschen) besteht. Das bevorzugte Verb ἐξομολογέω / exomologeō deutet an, dass hier an eine öffentliche Bekundung gedacht ist. Auch im Schuldbekenntnis geht es darum, zu den eigenen Verfehlungen zu stehen - so wie im Glaubensbekenntnis zu dem Glauben. Zwei Situationen lassen sich unterscheiden:

grundlegende Umkehr: Am Beginn der Christuszugehörigkeit steht in der Taufe ein Bekenntnis, das die bisherige Gottesferne offenlegt. Das ist vor allem das Erbe der Johannestaufe.

  • Mk 1,4 / Lk 3,3: Johannestaufe als „Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden“
  • Mk 1,5 / Mt 3,6): „... und sie (die Scharen) ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden“
  • Apg 19,18: jene Epheser, die sich von der paulinischen Predigt gewinnen lassen, bekennen „was sie getan hatten“ und verbrennen ihre „Zauberbücher“

fortwährende Erneuerung: Auch der Alltag des christl. Lebens bleibt nicht frei von Verfehlungen und bedarf deshalb auch weiterhin der Vergebung. Hier gilt das Bekenntnis nicht mehr der grundsätzlichen Herstellung einer heilen Gottesbeziehung, sondern ihrer Bewahrung und Festigung.

  • 1Joh 1,9: dem Sündenbekenntnis wird die göttliche Vergebung zugesagt
  • Jak 5,16: im Krankheitsfall wird zum gegenseitigen Bekennen von Schuld aufgefordert, „damit ihr gesund werdet“
  • Mt 6,12 / Mt 18: auch auf der zwischenmenschlichen Ebene lässt sich Vergebungsbereitschaft nicht ohne vorheriges Bekennen denken

5.3. Bekenntnishaltungen

Als Teil eines Kommunikationsgeschehens kann die Bekenntnisbildung auch auf nonverbale Weise erfolgen. Das betrifft vor allem bestimmte Verhaltensweisen, die im Sinne „werbender Lebensführung“ als Ausdruck christlichen Selbstverständnisses gelten.

Alle diese Verhaltensweisen werden in der Außenperspektive als charakteristisch christlich wahrgenommen. Es mangelt ihnen aber an einer Eindeutigkeit, wie sie in der jüdischen Tradition etwa mit die Heiligung des → Sabbats, dem Verzicht auf bestimmte Speisen oder auch mit der → Beschneidung gegeben ist. Als „identity marker“ sind solche Verhaltensweisen von Anfang an auch nicht frei von kulturellen Einflüssen. Für einen „Katechismus“ der frühen Christenheit (Seeberg, 1903) taugen sie nicht.

6. Formelsprache

In der älteren Formgeschichte hat man versucht, eine Klassifikation von Bekenntnisformeln aufzustellen (Vielhauer, 1978). Der Ausgangspunkt eines solchen Versuches liegt bei der von Röm 10,9 entworfenen Beziehung zwischen Glauben und Bekennen. Sie hat ungefähr die folgende idealtypische Gestalt:

1. Pistisformel (=> mit dem Herzen => glauben / vertrauen): eingeleitet mit „ich glaube, dass ...“

Auferweckungsformel: „Gott hat Jesus auferweckt von den Toten.“

Sterbeformel: „Christus ist für uns gestorben.“

Dahingabeformel: „Gott hat seinen Sohn für uns dahingegeben.“ / „Christus hat sich selbst für uns dahingegeben.“

kombinierte Formel: „Christus ist gestorben und begraben worden, auferstanden und gesehen worden.“

2. Homologie (=> mit dem Mund => anrufen): eingeleitet mit „ich bekenne, dass ...“

Akklamationsformel: „Kyrios ist Jesus (Christus).“

=> eine alte „Christen“-Bezeichnung lautet dementsprechend: „diejenigen, die den Namen des Kyrios anrufen“ (nach Joel 3,5) - 1Kor 1,2; 2Tim 2,22; Apg 9,14.21; Apg 22,16

Identifikationsformel:

„Jesus ist der Christus / Messias.“

„Jesus ist der Sohn Gottes.“

Mit solchen Klassifikationen verbindet sich (teilweise) auch eine Debatte, die nach der Beziehung zwischen Formel und Erzählung fragt: Stellt die Formel eine Zusammenfassung oder Abbreviatur narrativer Zusammenhänge – etwa der Predigt – dar, oder ist sie umgekehrt die Keimzelle, aus der heraus die Verkündung erst entsteht? Gibt es ein Entwicklungsschema, bei dem sich aus ursprünglich eingliedrigen Formeln zweigliedrige und schließlich voll entfaltete triadische oder trinitarische Formeln herausbilden? Beide Fragen können heute als erledigt gelten: Formel und Erzählung gehen Hand in Hand und bleiben wechselseitig aufeinander bezogen; Formeln mit einer unterschiedlichen Anzahl von Gliedern sind von Anfang an nachweisbar und stehen noch bis in das 2. Jh. hinein nebeneinander. Auch eine systematische Klassifikation des ohnehin immer nur zu rekonstruierenden Formelgutes wird heute weitgehend preisgegeben (Berger, 1984), beherrscht aber noch immer einen guten Teil der exegetischen Literatur.

Unbestritten bleibt, dass Bekenntnissituationen nach einer knappen, verdichteten, didaktisch einfachen und konsensfähigen Formulierung des christlichen Glaubens verlangen. Diese Notwendigkeit führt bereits im Rahmen der neutestamentlichen. Schriften zu Schematisierungen, auf denen spätere Entwürfe zu verbindlichen Glaubensbekenntnissen dann aufbauen können.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

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  • Bornkamm, G., 31970, Das Bekenntnis im Hebräerbrief, in: ders., Studien zu Antike und Urchristentum. Gesammelte Aufsätze 2, München, 188-203
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  • Staats, R., 2011, Das Taufbekenntnis in der frühen Kirche, in: Ablution, Initiation, and Baptism. Late Antiquity, Early Judaism, and Early Christianity 2, hg. von D. Hellholm u. a., BZNW 176/2, Berlin / Boston, 1553-1583
  • Vielhauer, Ph., 1978, Geschichte der urchristlichen Literatur, Berlin 1978
  • Weder, H., 1992, Die Entdeckung des Glaubens im Neuen Testament, in: ders., Einblicke ins Evangelium. Exegetische Beiträge zur neutestamentlichen Hermeneutik, Göttingen, 137-150

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