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Lexikon

Balsam

Ute Neumann-Gorsolke

(erstellt: Dez. 2005)

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1. Botanisch

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Balsamstrauch.

Der kleinwüchsige Balsamstrauch (Commiphora gileadensis, hebr. בּוֹשֶׂם bośæm), der aus Südwestarabien stammt, wächst in Wüsten und Halbwüsten. Die aus 3-5 Fiederblättchen bestehenden Blätter verliert der Strauch in der Trockenzeit. Aus den Büscheln weißer Blüten entwickeln sich kleine Steinfrüchte mit duftenden gelben Samen. Das erst grüne, dann sich bräunlich verfärbende Harz wird natürlich ausgeschieden oder durch Anritzen gewonnen. In → En-Gedi am Toten Meer, wo die Balsamherstellung in Palästina bis zum Jüdischen Krieg eine Monopolstellung hatte, haben Ausgrabungen Werkzeuge und Werkstätten der Balsamverarbeitung zutage gefördert.

Bisweilen wird auch hebr. צֳרִי ṣǎrî mit Balsam gleichgesetzt. Es handelt sich hierbei um ein balsamisches Harz, dessen botanische Zuordnung umstritten ist. Diskutiert werden auch der Mastixbaum (Pistacia lentiscus) oder der Amberbaum (Liquidamber orientalis). Auch das singuläre hebr. נָטָף nāṭāf wird manchmal als Balsam oder Balsamharz aufgefasst; es handelt sich auf jeden Fall um ein aromatisches Harz, das als Bestandteil des heiligen Salböls in Ex 30,34 erwähnt wird; möglich ist auch das Harz des Styraxbaums (Styrax officinalis) oder wiederum der Amberbaum (Liquidamber orientalis).

2. Alttestamentlich

Das hebr. Wort בּוֹשֶׂם bośæm steht im Alten Testament sowohl für den in Gärten wachsenden Balsamstrauch als auch für dessen Harz sowie für das daraus hergestellte Öl und schließlich für Wohlgeruch allgemein (vgl. Jes 3,24; Ex 30,23). Unter den Geschenken, die die Königin von Saba Salomo bringt, sind neben Gold und Edelsteinen auch Balsamharze (Luther: Spezereien). Ez 27,22 zählt Balsam zu den wertvollen Handelsgütern seiner Zeit. Verwendung fand Balsam als Zutat zum heiligen Salböl (Ex 25,6; Ex 30,23; Ex 35,8.28), als Heilmittel bei der Wundbehandlung und Gegengift bei Schlangenbissen sowie als Bestandteil von Parfümen und Ölen ( Est 2,12; vgl. Hhld 4,10).

Sowohl Gen 37,25 als auch Gen 43,11 weisen das balsamische ṣǎrî-Harz (s.o.) als wertvolles Handelsgut Palästinas aus (vgl. Hes 27,17), während Jer 8,22, Jer 46,11 und Jer 51,8 die Bedeutung als Heilmittel herausstellen.

Neutestamentlich wird Balsam (griech. thymiama) in Apk 18,12 ebenfalls als wertvolles Handelsgut erwähnt.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Kurzes Bibelwörterbuch, Tübingen / Leipzig 1903
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Hepper, F.N., 1992, Pflanzen der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart
  • Löw, I., 1967 (Nachdruck von 1928), Die Flora der Juden I, Hildesheim
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P., 2003, Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des alten Israel, Stuttgart / Neukirchen-Vluyn
  • Zohary, M., 3. Aufl. 1995, Pflanzen der Bibel, Stuttgart

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Balsamstrauch. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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