bibelwissenschaft.de - Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Lexikon

Antichrist

Wilhelm Pratscher

(erstellt: Juni 2010)

Permanenter Link zum Artikel: http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/49887/

1. In der frühchristlichen Literatur und der alttestamentlich-frühjüdischen Tradition

Der Term ἀντίχριστος kommt in der frühchristlichen Literatur nur 1Joh 2,18; 1Joh 2,22; 1Joh 4,3; 2Joh 7 und (davon abhängig) Polyk 7,1 vor. Gemeint sind jeweils Vertreter gegnerischer theologischer Positionen. Damit steht ἀντίχριστος in Parallele zu ψευδοπροφήτης (Mk 13,22par; 1Joh 4,1; Apk 16,13; Apk 19,20; Apk 20,10) bzw. zu ψευδοδιδάσκαλος (2Petr 2,1) und ψευδαπόστολος (2Kor 11,13). Steht in der Frage nach dem richtigen christologischen Bekenntnis die Bedeutung «gegen» für ἀντί im Zentrum, so lässt die Bedeutung „anstelle von“ ein weiteres Bedeutungsfeld erkennen: die Vorstellung eines eschatologischen Gegenspielers Christi. Mk 13,22par spricht explizit von ψευδόχριστοι, falschen Messiasprätendenten (zur Sache auch Mk 13,6 par; Joh 5,43). 2Thess 2,1-12 spricht vom Menschen der Gesetzlosigkeit / Sohn des Verderbens, Apk 12f.von den beiden Tieren als den Gefährten des Drachens. Christus besiegt jeweils die menschlichen, in mythologischer Überhöhung gezeichneten endzeitlichen Gegner. Aussagen über den Teufel (Mt 4,1-11 par u.ö.), den Satan (Mk 3,23 par u.ö.), den Fürsten dieser Welt (Joh 12,31 u.ö.), den Bösen (Mt 6,13 u.ö.) oder Beliar (2Kor 6,15) gehören nur indirekt in den vorliegenden Zusammenhang, insofern hinter den verschiedenen Antichrist – Gestalten der / das Böse schlechthin steht.

In der alttestamentlich-frühjüdischen Tradition fehlt die Rede vom Antichristen / Gegenmessias. Der weitere Hintergrund scheint die Tradition vom Kampf gegen den Urzeitdrachen (vgl. Jes 51,9f; Ps 74,13f) zu sein, ein Kampf, der in der Endzeit mit dem endgültigen Sieg Jahwes beendet wird (Jes 27,1). Auch die mannigfachen Traditionen von einem (letzten) Ansturm und Untergang der gottfeindlichen Mächte gehören in den vorliegenden Zusammenhang. Ez 38f, Hag 2,22 und Sach 12,2-11 formulieren ihre diesbezüglichen Prophezeiungen auf dem Hintergrund des Traumas der babylonischen Gefangenschaft, Dan 7f u.ö. setzen die Gefährdung unter Antiochus IV Epiphanes voraus, ebenso AssMos 8–10, ein Text der durchscheinend wird für die Bedrückung durch die Römer. 4Esr 5,6 spricht von einem, der in der Endzeit, von den Menschen nicht erwartet, zur Herrschaft kommt. Sib 3,63–74 bezeugt die Vorstellung vom Wirken Beliars als Nero redivivus. Ganz nahe an die christliche Antichristvorstellung kommt syrBar 40,1f, wonach der letzte Herrscher des vierten Königreiches, Rom, auf dem Zion vom Messias getötet wird. In Qumran haben die Vorstellungen vom gottlosen Priester bzw. vom Lügenpropheten (vgl. 1QpHab 8,8; 1QpHab 10,9 u.ö.) eine gewisse Nähe zur Antichristthematik, den zwei Messiasgestalten, dem königlichen und dem priesterlichen, entsprechen aber nicht exakt zwei Antichristgestalten. Im jüdischen Traditionsbereich liegt somit noch keine ausgeprägte Antichrist-Vorstellung vor, wohl aber einzelne Motive und Vorstellungen, die im frühen Christentum aufgegriffen und erst sukzessive systematisiert werden, ein Prozess, der erst im 2. Jh. seinen vorläufigen Abschluss findet. Im weiteren Umfeld ist auch das Phänomen der falschen Propheten in der Tradition Israels zu sehen (Dtn 13,2-6; Hos 4,5; Mi 3,5-7 u.ö.).

2. In der synoptischen Tradition

Die Antichrist-Thematik kommt im NT erstmals (zumindest was die verarbeiteten Traditionen betrifft) in der synoptischen Apokalypse Mk 13 parr vor. Von Bedeutung ist insbesondere der verwandte Term ψευδόχριστος Mk 13,22 par Mt 24,24: In der Endzeit werden Leute mit dem Anspruch auftreten, der wiederkommende Christus zu sein. Analog dazu werden nach Mk 13,6 viele im Namen Jesu kommen und sagen: Ich bin´s. Die Parallelstellen verdeutlichen und interpretieren – in Mt 24,5 lautet die falsche Parole explizit: Ich bin der Christus. Beide Autoren fügen noch hinzu, dass dabei viele getäuscht würden. Lk 21,8 verbindet mit der fälschlichen Behauptung, der Christus zu sein, noch die weitere Behauptung des nahen καιρός – eine (gemessen etwa an 2Thess 2,1-12 oder 2Petr 3,8-10) erstaunlich direkte und massive Ablehnung der traditionellen Naherwartung. Der Antichrist-Charakter besteht nicht im endzeitlichen Kampf gegen Christus, sondern in dessen Ersetzung. Dahinter steht das Phänomen der Messiasprätendenten, die in frühchristlicher Zeit bis hin zu Bar Kochba auftraten und als Ablehnung des Christusbekenntnisses verstanden werden mussten (vgl. Apg 5,36f; Jos Bell 2,258–263; Jos Ant 20,167–172; Text gr. und lat. Autoren ). Auch Joh 5,43 dürfte das implizieren. Jesus kritisiert hier seine Ablehnung und die zukünftige Akzeptanz von Leuten, die nicht wie er im Namen des Vaters, sondern im eigenen Namen kommen würden. Eine spezifisch antijüdische Ausrichtung ist bei dieser Notiz aber nicht gegeben, da Joh die Ablehnung Jesu als grundsätzliche Haltung „der Welt“ betrachtet, deren Repräsentanten die jüdischen Gegner zwar sind, die aber ethnisch nicht beschränkt ist. Die „Anderen“, die im eigenen Namen kommen, stehen damit in Konkurrenz zu Jesus und sind somit Antichrist-Gestalten. Allerdings gilt das nur für ihr faktisches Auftreten. Sie müssen sich keineswegs selbst in einer Anti-Haltung zu Jesus und seinem Anspruch verstehen.

Mit dem Auftreten falscher Messiasanwärter ist das falscher Propheten verbunden. Mk 13,22 par Mt 24,24 werden unmittelbar nach den ψευδόχριστοι auch ψευδοπροφῆται genannt, die (wohl wie auch jene) durch Zeichen und Wunder die Auserwählten verführen. Das Auftreten von Pseudopropheten ist ein Zeichen der hereinbrechenden Endzeit (vgl. Mt 7,15; Mt 24,11; 1Joh 4,1; Apk 16,13 u.ö.) ebenso wie das von ψευδοδιδάσκαλοι (2Petr 2,1). Im Unterschied zu den ψευδόχριστοι treten die Pseudopropheten (und Pseudolehrer) nicht an die Stelle Christi, sie propagieren aber falsche Christus-Gestalten oder zumindest eine falsche Christologie. In beiden Fällen stehen sie gegen den Christus Jesus und sind somit zwar nicht unmittelbar ἀντίχριστοι, wohl aber dessen (deren) Handlanger. Eine explizite Mythisierung liegt nicht vor. Alle diese Gestalten sind Menschen, allerdings irregeleitete und irreleitende.

3. In der paulinischen und deuteropaulinischen Literatur

Bei Paulus liegt noch keine spezifische Antichrist-Spekulation vor. 1Kor 15,24-26 wird im Rahmen einer kleinen Apokalypse die zukünftige Besiegung aller Herrschaften, Mächte und Gewalten einschließlich des Todes als des letzten Feindes, beschrieben. Diese dämonischen Mächte werden zwar von Christus besiegt (stehen also in einer Anti-Christ-Position), sind aber allgemein widergöttliche Mächte, ähnlich wie auch der Gott dieser Welt 2Kor 4,4 oder Beliar 2Kor 6,15.

Die Antichrist-Thematik liegt dagegen in 2Thess 2,1-12 in ausführlicher Weise vor. Der deuteropaulinische Verfasser benützt sie im Kontext der Auseinandersetzung um die Parusieerwartung. Er wendet sich gegen Leute, die die Nähe der Parusie vertreten (und entsprechende Schlussfolgerungen für das Leben in der Gegenwart ziehen) und betont die zeitliche Distanz zu ihrem Eintreten. Vor der Parusie müssen noch die bösen Erfahrungen der Endzeit eintreten (vgl. nur Mk 13 parr). Das ist nach dem apokalyptischen Endzeitplan des Verfassers derzeit noch nicht möglich, da eine geheimnisvolle Macht (wohl mythischen Charakters), das κατέχον bzw. der κατέχων (2Thess 2,6f), die Ausbreitung des Bösen noch verhindert. Erst wenn diese Macht beiseitetritt, kann der in der Endzeit zu erwartende große Abfall kommen. Die entscheidende Gestalt ist dabei „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ (ὁ ἄνθρωπος τῆς ἀνομίας) bzw. „der Sohn des Verderbens“ (ὁ υἱὸς τῆς ἀπωλείας) (2Thess 2,3). Er widersetzt sich und erhebt sich über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, indem er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst als Gott präsentiert. Dieser Widersacher wird nach dem Weggehen des κατέχων in Erscheinung treten (2Thess 2,8, hier als der Gesetzlose bezeichnet) und den großen endzeitlichen Abfall bewirken. Seine Erscheinung (παρουσία) wird in der Macht Satans geschehen, in großer Macht und mit lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben und deshalb nicht gerettet werden. Diesen gesetzlosen Usurpator göttlicher Macht wird der Herr (= Jesus) mit dem Hauch seines Mundes beseitigen (gleichsam wegblasen) und ihn vernichten durch das Eintreten seiner → Parusie.

Der Mensch der Gesetzlosigkeit / Sohn des Verderbens / Gesetzlose ist der Gegenspieler Christi, z.T. explizit, oder implizit im Kontrast zu Christus gezeichnet: Auch von ihm wird ein Offenbarwerden und eine Parusie ausgesagt und auch er repräsentiert eine dahinter stehende Macht, die er in Zeichen und Wundern zum Ausdruck bringt. Seine Charakterisierung im Kontrast zu Jesus stellt ihn als Gegenüber zu diesem, als Antichristen, dar, auch wenn der Term nicht verwendet wird. Beide Aspekte jedoch, die vom Terminologischen her für den Antichristen (ἀντί-) charakteristisch sind, kommen 2Thess 2 sehr schön zum Ausdruck: der prophetische Aspekt („gegen“) in den Zeichen und Wundern, der religiös-politische („anstelle von“) in der Usurpierung des nicht zustehenden Platzes.

Eine entwickelte Antichrist-Vorstellung als Hintergrund anzunehmen, ist nicht nötig, einzelne traditionelle Motive sind aber (reflektiert oder nicht) vorauszusehen, wie die Fremdherrschaftskritik Israels (Jes 14,13; Ez 28,9; Dan 11,36 u.ö.), vielleicht auch die Erinnerung an bestimmte römische Kaiser (eindrücklich sind die Parallelen zu Phil Leg Gai 30 u.ö.).

4. In der johanneischen Literatur

Eine ganz spezifische Antichrist-Konzeption haben 1Joh 2,18; 1Joh 2,22; 1Joh 4,3; 2Joh 7. Nur hier liegt (wie erwähnt) der Term ἀντίχριστος im NT vor. 1Joh 2,18; 1Joh 4,3 werden die Hörer / innen auf ihr Wissen über das Kommen des Antichristen hin angesprochen. Der Verfasser scheint hier die Vorstellung vom Kommen des (!) Antichristen vorauszusetzen. Ob der Term eine Neubildung ist oder das Wissen innerhalb des johanneischen Kreises abruft, ist (aufgrund des Traditionscharakters) eher in letzterem Sinn zu entscheiden. Ob diese Terminologie noch weiter zurückzuführen ist, muss offen bleiben. Vorausgesetzt dürfte dabei eine in der Endzeit auftretende negative, diabolische Gestalt sein, die aber nicht näher in den Blick kommt. Die Ablehnung Jesu durch seine Gegner führt Joh 8,44 auf deren Teufelskindschaft zurück. Eine ähnliche dämonologische Interpretation könnte auch 1Joh 2,18; 1Joh 4,3 vorliegen. Doch nicht die Mitteilung eines solchen apokalyptischen Offenbarungswissens beabsichtigt 1Joh, sondern die These der Inkarnierung des Antichristen in den doketischen Gegnern. Wer leugnet, dass Jesus der Christus ist, ist der Antichrist. Dass die doketischen Leugner der Identität von Jesus und Christus nur Vorläufer des einen, erst kommenden Antichristen sind, ist nicht völlig ausgeschlossen. Der Verfasser würde dann im Grunde die apokalyptische Prägung festhalten. Indes bleibt angesichts der Rede von der Gegenwart der letzten Stunde (1Joh 2,18; 1Joh 4,3) eigentlich keine Zeit mehr für ein Antichrist-Auftreten apokalyptischer Art. Es ist somit naheliegend, die doketischen Leugner Christi als die endgültigen Vertreter, Repräsentanten, Inkarnationen des einen Antichristen zu verstehen. Die Verfasser von 1. und 2. Joh würden damit die dämonologische Charakterisierung von Judas bzw. den Juden des Johannesevangeliums fortsetzen (Joh 13,2 u.ö. bzw. Joh 8,44 u.ö.). Folgerichtig werden im Kontext der Rede vom (von den) Antichristen auch die ψευδοπροφῆται genannt (1Joh 4,1). Es gilt, die Geister zu prüfen und die Pseudopropheten abzuwehren. Wer Jesus nicht als den inkarnierten Christus bekennt, ist nicht aus Gott und verrichtet nichts Anderes als das Werk des Antichristen, der jetzt schon in den doketischen Gegnern in der Welt ist (1Joh 4,3).

5. In der Apokalypse des Johannes

Am deutlichsten entwickelt ist die Antichrist-Vorstellung in der Apokalypse des Johannes (auch wenn das Stichwort ἀντίχριστος nicht vorkommt). Der Verfasser setzt eine teuflische Trinität von Drachen, erstem und zweitem Tier voraus (Apk 16,13; Apk 20,10).

Der Drache mit den sieben Köpfen und Kronen sowie den zehn Hörnern (Apk 12,3-18) ist nach Apk 12,9; Apk 20,2 identisch mit der Schlange, dem Teufel und dem Satan. Im himmlischen Kampf stürzt Michael den Teufel (und seine Helfer) auf die Erde, wo er jetzt noch kurze Zeit sein Unwesen treiben kann. Der Drache ist der Spiritus rector der beiden Tiere.

In der Macht des Drachen (Apk 13,4) handelt das erste Tier aus dem Meer (Apk 12,18–13,10; Apk 17,1-18), das auch in ähnlicher Weise mit sieben Köpfen, zehn Kronen und zehn Hörnern ausgestattet ist (Apk 13,1). Es ist in besonderer Weise als Gegenüber von Christus, d.h. als Antichrist, stilisiert: Es hat die Gestalt des Drachen (Apk 13,1), es handelt in dessen Vollmacht (Apk 13,2; Apk 13,4), einer seiner Köpfe wird tödlich getroffen, aber neu belebt (Apk 13,3), er sitzt auf dessen Thron (Apk 13,2), er trägt gotteslästerliche Namen (Apk 13,1; Apk 17,3) und seine Anhänger tragen sein Malzeichen (Apk 13,16; Apk 14,9). Die Vielzahl der Bezüge ist kein Zufall. Das erste Tier, das Tier aus dem Meer, ist der Widersacher Christi schlechthin.

Das Verhältnis des Drachen zum ersten Tier wiederholt sich in dem der beiden Tiere zueinander. Das zweite Tier, das aus der Erde, der Unterwelt, heraufkommt (Apk 13,11-18; Apk 19,20), hat seine Macht vom ersten (Apk 13,12). Es ist dessen Propagandist, indem es die Menschen zur Anbetung des ersten Tieres bringt (Apk 13,12). In abgeleiteter Form partizipiert es an der Antichrist-Konzeption, indem es nicht so sehr durch christologische Aspekte (zwei Hörner wie ein Lamm Apk 13,11) gekennzeichnet ist, sondern vor allem durch pneumatologisch-prophetische: Es verlebendigt das Bild des ersten Tieres (Apk 13,15), es hat die Gabe der Überzeugung (Apk 13,12) und es vollbringt große Wunder, indem es sogar Feuer vom Himmel fallen lässt (Apk 13,13f; Apk 19,20). Am Ende werden beide Tiere besiegt und ins Feuer geworfen (Apk 17,14; Apk 19,19-21; Apk 20,10). Darin spiegelt sich die allgemein-frühchristliche Erwartung des endzeitlichen Triumphes Christi über alle gottfeindlichen Mächte (vgl. nur 1Kor 15,24-26; Kol 2,15 u.ö.).

Der zeitgeschichtliche Bezug der beiden Tiere ist schon von der Metaphorik der zehn Köpfe und sieben bzw. zehn Kronen her deutlich. Das erste Tier ist Metapher für das Imperium Romanum bzw. den römischen Kaiser, das zweite für die Propagandisten des Kaiserkults, unter dem die Gemeinden der Apokalypse stöhnen. Explizit gemacht wird das Apk 17-19 (vgl. nur den Verweis auf die sieben Hügel Roms Apk 17,9 oder die Beschreibung Roms mit dem Decknamen Babylon Apk 14,8 u.ö.). Im Unterschied zu den Johannesbriefen erscheint die Antichristkonzeption ganz in mythischem Gewand. Die beiden Tiere werden jedoch (im Unterschied zum Drachen) durch die zeitgeschichtliche Einordnung ebenfalls historisiert. Es sind Menschen, die als Antichristen auftreten. Eine Identifikation mit dem Teufel erfolgt nicht, er steht aber hinter ihnen.

6. In der nachneutestamentlichen Literatur

In der nachneutestamentlichen Literatur werden die neutestamentlichen Linien fortgezogen: So greift Polyk 7,1 die johanneische Bezeichnung der Doketen als ἀντίχριστοι auf, während an einer Reihe von Stellen Antichrist-Gestalten erwartet werden: Did 16,4 der Weltverführer, Barn 18,2 der Herrscher der gegenwärtigen Zeit der Gesetzlosigkeit, Asc Jes 4,1–13 Beliar als der Nero redivivus, Apk Petr 2 nach den falschen Christusprätendenten ein Zeichen und Wunder wirkender Verführer, Just Dial 32; Just Dial 110 der Mann der Sünde bzw. des Abfalls, um nur einige zu nennen. Die Antichrist-Thematik nimmt zunehmend festere Formen an und einen immer festeren Platz in der kirchlichen Theologie ein (vgl. dann Anfang des 3. Jh. die Schrift über den Antichristen bei Hippolyt; Text Kirchenväter).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Ernst, J., 1967, Die eschatologischen Gegenspieler in den Schriften des Neuen Testaments (BU 3), Regensburg
  • Strecker, G., 1988, Zum religionsgeschichtlichen Hintergrund von 1Joh 2,18.22; 4,3 und 2 Joh 7, in: T. Baarda u.a. (Hgg.), Text and Testimony (FS A.F.J. Klijn), Kampen, 247–254
  • Jenks, G.C., 1991, The Origins and Early Development of the Antichrist Myth (BZNW 59), Berlin / New York
  • Peerbolte, L.J.L, 1996, The Antecedents of Antichrist: A Traditio-Historical Study of the Earliest Christian Views on Eschatological Opponents (JSJ.S 49), Leiden u.a.
  • Böcher, O., 1998, Die Johannesapokalypse (EdF 41), 4. Aufl., Darmstadt
  • McGinn, B. 2000, Antichrist. Two Thousand Years of the Human Fascination with Evil, New York
  • Röcker, F.W., 2009, Belial und Katechon. Eine Untersuchung zu 2Thess 2,1–12 und 1Thess 4,13–5,11 (WUNT 2 / 262), Tübingen

PDF-Archiv

Alle Fassungen dieses Artikels seit September 2017 als PDF-Archiv zum Download:

VG Wort Zählmarke
http://m.bibelwissenschaft.de