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Lexikon

Anat

Izak (Sakkie) Cornelius

(erstellt: April 2008)

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Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg 5. Aufl. 2001, Abb. 108; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz

Abb. 1 Anat auf einer Stele aus Bet-Schean.

Anat ist eine nordwestsemitische → Göttin, die viele Gesichter hat und in verschiedenen Kontexten belegt ist, die aber in Texten und Darstellungen vor allem als die Kriegsgöttin schlechthin, nicht jedoch als Fruchtbarkeitsgöttin erscheint (→ Göttin). Sie ist der hurritisch-hethitischen Ischtar-Schawuschka (→ Ischtar) und der mesopotamischen Ischtar-Inin-Annunatum vergleichbar und wurde mit der griechischen Athena identifiziert.

1. Name

Das west-semitische ‘nt (ausgesprochen: Anatu; vgl. Akkadisch danatu; vgl. dchanat) geht auf den Namen der Chanaer (Cha-nu-ú) zurück, eine im 18. Jh. v. Chr. in → Mari bezeugte amoritische Menschengruppe, sowie auf den ebenfalls in Mari bezeugten Ort Anat (akkadisch Chanat), der am Mittleren Euphrat lag. In Hieroglyphen gibt es verschiedene Schreibweisen (Cornelius, 2004, 80-81). Die Etymologie ist unbekannt, aber steht vielleicht in Bezug zu arabisch ‘anwat „Gewalt“.

2. Anat im 2. Jahrtausend

2.1. Syrien-Palästina

Anat kommt als Name in den Maritexten (→ Mari), den → Amarnabriefen (EA 170,43) und einem Text aus → Hazor (CScr 3.120) vor. „Bin-Anat“ (ein Militärtitel ?) steht auf einer Pfeilspitze, die in el-Chaḍr bei Bethlehem gefunden wurde und aus dem 12.-11. Jh. v. Chr. stammt (CScr 2.84).

2.2. Ugarit

Die ugaritischen Texte (→ Ugarit) sind die wichtigsten Belege für Anat und haben sie berühmt gemacht. In den „Götterlisten” (RS 20.024 [RS = Ras Shamra]; KTU 1.118; 1.47 = Pardee, 2002, 14) steht die Göttin Anat hinter der Hauptgöttin → Aschera, doch in den Mythen spielt sie als eine der so genannten „handelnden” Gottheiten (Handy, 1994) eine wichtigere Rolle als diese und die jüngere → Astarte, mit der sie oft zusammen genannt wird.

2.2.1. Ein Haus für Baal

Anat ist eine Kriegerin. Im Baal-Epos lesen wir (KTU 1.3,II), wie sie kämpft und die Menschen erschlägt:

„Sie machte Köpfe fest an ihrem Rücken, / sie band Hände an ihren Gürtel. / Sie tauchte mit den Knien ins Blut der Starken, / mit den Oberschenkeln ins Gerinsel der Soldaten.” (TUAT III, 1138).

Sie tut dies zweimal, und dann jauchzt sie in dieser Orgie von Blut, wäscht sich, schmückt sich mit Purpur, nimmt eine Leier und singt ein Lied über die Liebe des → Baal (KTU 1.3,III,1-8).

Anat sagt von sich auch, sie habe gegen das → Chaos und → Jammu gekämpft:

„Ich habe abgeknickt die sich windende → Schlange, / die Mächtige mit sieben Köpfen!” (KTU 1.3,III,41-42 = TUAT III, 1143).

Anat spielt eine große Rolle im Streit um Baals Haus. Sie vermittelt zwischen dem Gott → El, ihrem Vater, und der Göttin Aschera, um einen Palast für Baal bauen zu lassen. Gegenüber ihrem Vater ist sie sehr aggressiv:

„Ich werde [dir] auf deinen Schädel schlagen, / ich werde aus deinem grauen Haar Blut strömen lassen, / aus deinem grauen Bart Gerinsel!” (KTU I.3,V,23-25 = TUAT III, 1148).

Er antwortet, er wisse, dass sie mannhaft sei und dass keine unter den Göttinnen solchen Spott kenne!

Zusammen reisen Baal und Anat zu Aschera, um ihre Sache zu vertreten, und sie geht zu El, der schließlich den Entschluss fasst: „Baue für Baal ein Haus!” Anat ist diejenige, die Baal die gute Nachricht übermittelt (KTU 1.4,V).

2.2.2. Baal und Mot

In der Beschreibung des Streits Baals mit dem Totengott → Mot spielt Anat eine wichtige Rolle. Sie findet nach Baals Tod dessen Leichnam, übernimmt die Begräbnisrituale und begräbt ihn auf dem Gottesberg Zaphon (KTU 1.5,VI,28-1.6,I,131). Sie hat großes Verlangen nach Baal:

„Wie das Herz der Kuh nach ihrem Kalb, / wie das Herz des Mutterschafs nach ihrem Lamm, so war das Herz der Anat hinter Baal her. / Sie ergriff den El-Sohn Mot: / Mit einem Schwert spaltete sie ihn, / mit einem Sieb worfelte sie ihn, / mit Feuer verbrannte sie ihn, / mit einem Mühlstein zermahlte sie ihn, / auf das Feld säte sie ihn aus.“ (KTU 1.6,I,28-35 = TUAT III, 1190).

El hat eine Vision, dass Baal ins Leben zurückkehrt, und Anat übermittelt der Sonnengöttin Schapschu den Auftrag Baal zu finden (KTU 1.6,III,-IV). Durch Anats Einsatz wird Baal wiederbelebt.

2.2.3. Aqhat-Epos

Im Aqhat-Epos (KTU 1.17,VI) begehrt Anat den Bogen des jungen Aqhat und verspricht ihm Silber und Gold dafür, aber er weigert sich. Sie sagt ihm dann:

„Wünsche dir Leben, oh Mann Aqhat, / wünsche dir Leben, und ich werde es dir geben, / Nicht-Tod, und ich werde ihn dir senden!” (Z. 26-28 = TUAT III, 1273-1274).

Noch ist er nicht überzeugt und meint, alle Menschen müssten sterben. Ein Bogen sei außerdem für Krieger bestimmt, nicht für eine Frau (Z. 38-41). Wie ein zweijähriges Kind stampft sie mit den Füßen auf und fliegt von der Erde weg (Z. 46). Sie beklagt sich (wieder drohend wie im Baal-Zyklus) bei ihrem Vater El (KTU 1.18,I), der erkennt:

„Ich kenne dich, meine Tochter, du benimmst dich zu männlich / und un[ter den Göttinnen] ist deine Verachtung ohnegleichen” (1.18,I,16-17 = TUAT III, 1278).

Anat plant ihre Rache und nimmt ihren Diener Jatpan wie ein Adler in ihren Beutel. Sie schwebt zwischen den Adlern, und über Aqhat lässt sie ihn los und schlägt ihm zweimal auf den Scheitel, dreimal aufs Ohr. Er stirbt, aber auch der Bogen ist verloren.

2.2.4. Anat und Baal

Anat ist eine Tochter des El (KTU 1.18,I,15-19) und wird „Schwester“ Baals genannt (KTU 1.3,IV,39; 1.10,II,16, 20; vgl. 1.6,II,12 – Baal als ihr Bruder). Das deutet nicht unbedingt auf ein Liebesverhältnis hin wie im → Hohenlied.

Baal hat auch andere Schwestern (KTU 1.10,II,15). Anat ist die Mitkämpferin und Partnerin des Baal, aber nie seine Frau. Zudem ist sie eigentlich nicht sexuell aktiv. Anat und Baal haben offensichtlich keinen Sex miteinander. Viele Texte (KTU 1.5,V,18-22; 1.10-11, 13), die das nahelegen könnten, werden heute anders gelesen (Day, 1999; Walls, 1992; dagegen noch Dever, 2005, 270-271). Sie ist in KTU 1.10-11 als „Herrin der Tiere“ beschrieben. In KTU 1.96 wird nicht mehr Anat gelesen (Lewis 1996). Sie ist keine Mutter- oder Fruchtbarkeitsgöttin, wie oft behauptet wird, sondern eher eine Kriegsgöttin (→ Göttin).

Anat ist (wie Baal) mit dem Berg Zaphon verbunden und trägt in Ritualtexten das Epitheton „Anat des Zaphon” (KTU 1.46,17; 1.109,13–14,17,36; 1.130,18, 26). Ihr Sitz selbst ist der Berg inbb (KTU 1.1,II,14; 1.3,IV,34; 1.13,32; 1.94,20; 1.100,20), aber eine irdische Lokalisierung wie beim Berg Zaphon gibt es nicht. Sie wurde wahrscheinlich zusammen mit Baal in seinem Tempel auf der Akropolis Ugarits verehrt.

2.2.5. Sonstiges

Anat trägt die Titel „die Herrin des Königtums, die Herrin der Herrschaft, die Herrin des hohen Himmels, die Herrin der Königskappe“ (KTU 1.108,7 = TUAT II, 823) sowie btlt, was einfach „junge Frau“ bedeutet oder mit Walls (1992, 75) „adolescent female”. Sie ist noch unverheiratet und will weder ihrem Vater unterstehen, noch will sie sich mit einem Ehemann als ihrem Herrn (baal) verbinden! Deshalb bleibt sie so kämpferisch.

Im Keret-Epos stillen die Göttinnen → Astarte (neue Lesung!) und btlt den Kronprinzen (KTU 1.15,II,26–28). Ob es hier um Anat geht, ist umstritten. Ihr Titel jbmt limm wird unterschiedlich übersetzt.

Anat hat Flügel und kann fliegen (KTU 1.3,IV,4-5; 1.4,V,20-21; 1.10,II,10-12; 1.13,8; 1.17,VI,46; 1.18,IV,18-34; 1.108,8-9). Ferner hat sie Hörner (KTU 1.10,II,21-22) – ein typisches Erkennungszeichen altorientalischer Gottheiten. Sie ist die lieblichste unter den Schwestern Baals (KTU 1.10,II,15-16; vgl. III,10), und ihre Schönheit ist wie die der Göttin → Astarte legendär (KTU 1.14,III,41-42). Die beiden Göttinnen Anat und Astarte versuchen Baal zurückzuhalten (KTU 1.2,II,45-46). Sie jagen zusammen (KTU 1.114,23-24). Anat ist auch eine Musikantin (KTU 1.101,V,15). Ihr wird geopfert (Pardee, 2002; vgl. KTU 1.39; 1.43; 1.46, 1.109-110; 1.116; 1.148; 1.168). Sie wird in der Beschwörung gegen Schlangengift angerufen (KTU 1.100,20) und kommt auch in einem „Trinkritual” (KTU 1.108,6-8) und dem Marzeachfest (KTU 1.114) vor.

2.3. Ägypten

Anat ist eine der syro-palästinischen Gottheiten, die sehr populär bei den Ägyptern im → Neuen Reich waren, genauer bei dem „Anatophilen” → Ramses II. (vgl. Abb. 2). Er nannte seine Tochter, seinen Hund und sein Schwert nach Anat. Anat ist seine Mutter und er ihr geliebter Sohn, nicht wegen einer körperlichen Verbindung, sondern wegen Anats Kriegsaktivitäten und um Ägypten in den Krieg zu führen. Die Pharaonen betrachten sie als Kriegesgöttin, und sie dient ihnen als Schild. Die Kampfwagen sind wie Anat. Das Gespann Sethos I. heißt „Anat ist zufrieden” (ANET, 250; CScr 2.4). Im Chester Beatty Papyrus ist Anat eine Frau, die wie ein Mann kämpft. Sie ist die Tochter des Gottes → Re und die Frau von → Seth.

Sie spielt (im Gegensatz zu → Reschef) keine Rolle bei den einfachen Leuten in Ägypten, obwohl man sie auf dem unteren Register einer Privatstele aus Dēr el-Medīne findet (vgl. BM 191, Cornelius, 1994, Pl. 22 RR 30, Abb. 3).

In Ägypten gab es Anat-Tempel bei → Tanis und → Theben. Anat spielte auch eine Rolle im spätzeitlichen Dendera. In Palästina ist sie in → Bet-Schean belegt. Ihre Titel auf den Stelen lauten: „Herrin des Himmels, Herrin (aller) Gottheiten, Herrin aller Länder”.

In Zaubertexten und magischen Papyri bekämpft sie → Dämonen und gefährliche Tiere.

3. Anat im 1. Jahrtausend

Anat ist vor allem eine Göttin der Bronzezeit. Im 1. Jahrtausend verliert sie an Bedeutung, doch gibt es auch aus dieser Zeit Quellen.

Akkadische Texte aus dem 8. Jh. v. Chr. (CScr 2.115C-D) zeigen, dass Anat durchaus Bedeutung hatte; sie wird gepriesen als die stärkste der Göttinnen, und eine Stadt Anat ist nach ihr benannt.

Im 7. Jh. v. Chr. wird Anat als Anat-Bethel (→ Bethel) im Vertrag des assyrischen Königs → Asarhaddon mit Baal von → Tyrus genannt. In einer Inschrift aus → Ekron kommt im 7. Jh. Ben-Anat vor (Gitin / Dothan / Naveh, 1997, 13, Fig. 7).

Im 5. Jh. v. Chr. findet man Anat als Anat-Jahu in den Papyri der jüdischen Gemeinde von → Elephantine. Das bedeutet, dass Anat nicht nur mit dem Gott → Bethel, sondern auch mit → Jahwe verbunden wurde. Auch in Papyrus Amherst 63,VII, einem aramäischen Text in demotischer Schrift aus dem 4. Jh. v. Chr., lebt Anat fort (CScr 1.99, VII).

Identifiziert wurde Anat mit der griechischen Göttin Athena. Auf einer → Bilingue aus → Zypern (4. Jh. v. Chr.) wird phönizisch „der Anat, der Zuflucht der Lebenden” griechisch wiedergegeben mit Athena Sōteira Nikē „der Athena, der Retterin, der Siegesgöttin“ (KAI 42). Eine punische Inschrift von Malta (Frendo, 1999) ist an „Anat-Tinnit“ (= Astarte ?) gerichtet. Gibt es in KAI 22 ihre männliche Entsprechung in Bin-An(a)?

Im 3. Jh. n. Chr. findet man Anat in Namen im Palmyra (→ Tadmor). Zusammen mit anderen Göttinnen lebt sie in der Dea Syria und der Göttin Atargatis weiter.

4. Anat im Alten Testament

Als selbstständige Gottheit spielt Anat im Alten Testament keine Rolle, und es gibt gegen sie keine Polemik wie z.B. gegen Baal. Sie ist nicht mit → Jahwe zu verbinden (mit Smith, 2002, 103 gegen Day, 2000, 144) und kommt nur als Teil von Ortsnamen vor: Bet-Anot (Jos 15,59); Bet-Anat (Jos 19,38; Ri 1,33); → Anatot (Jos 21,18; 1Kön 2,26; Jes 10,30; Jer 1,1; Jer 11,21.23, Jer 32,7-9; Esr 2,23; Neh 7,27; Neh 11,32; 1Chr 6,45; vgl. LXX Jos 17,7; 1Chr 7,8). Außerdem ist der Personennamen → Schamgar ben-Anat belegt (Ri 3,31; Ri 5,6), doch vielleicht handelt es sich bei „ben-Anat“ um einen Militärtitel.

Motive der Anat leben möglicherweise in einigen Texten weiter (z.B. → Debora und → Jaël in Ri 5; vgl. auch → Judit). Einige Forscher haben versucht, die Göttin durch Textemendationen in weiteren Texten zu finden, wovon die berühmteste Wellhausens Lesung „Ich bin seine Anat und seine Aschera” (Hos 14,9) ist, doch können diese Vorschläge alle nicht überzeugen (Day, 2000, 136-142; Smith, 2002, 103-107; van der Toorn, 1992, 81-82). Anat ist wahrscheinlich auch nicht mit der im Jeremiabuch erwähnten → Himmelskönigin zu identifizieren.

5. Ikonographie

Aus: P. Montet, Les nouvelles fouilles de Tanis, Paris 1933, pl. LIV (vgl. Cornelius, 2004, Pl. 2.1)

Abb. 2 Anat mit Atef-Krone sitzt neben Ramses II. (Granit-Stele aus dem Tempel der Anat (?) in Tanis).

Anats Ikonographie in Palästina ist dank der Stele eines ägyptischen Beamten aus → Bet-Schean, auf der ihr Name (und Titel „Herrin des Himmels”) erscheint, gesichert (Abb. 1). Hier steht sie friedlich mit einem → Zepter, wie auch in dem römischen Tempel in Dendera. In älteren ägyptischen Darstellungen sitzt oder steht sie friedlich neben → Ramses II (Abb. 2).

In anderen Fällen (nur aus Ägypten!) wird sie als Gottheit mit einer Keule gezeigt. Auf einer Stele wird sie mit erhobener Waffe dargestellt. Manchmal wird sie als schlagende („smiting”) Göttin beschrieben. Aber sie schlägt keinen Gegner und ist von daher angesichts ihrer Geste eher als drohende („menacing”) Göttin zu bezeichnen.

Aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Abb. 270

Abb. 3 Anat auf einer Stele aus Dēr el-Medīne (unteres Register).

Anat trägt verschiedene Waffen, vor allem eine Keule, einen Speer und einen Schild. Auf dem Kopf hat sie die Atef-Krone (weiße Krone mit Federn wie bei dem ägyptischen Gott → Osiris). Diese Krone und ihre kriegerische Ikonographie teilt sie mit der Göttin → Astarte. Deshalb ist es nicht einfach, ikonographisch zwischen den beiden zu unterscheiden, und schwierig, Darstellungen ohne Namensangabe – z.B. die unbeschrifteten Bronzefigürchen einer bewaffneten, drohenden Göttin – mit Anat bzw. Astarte zu identifizieren. Da Gesicht und Krone bei Anat und Astarte fast identisch sind (Cornelius, 2004, Pls. 3.6 und 3.8), kann auch die Göttin mit Atef-Krone auf Fayence-Amuletten jede der beiden Göttinnen darstellen.

Obwohl Anat in → Ugarit eine wichtige Rolle spielt, hat man dort (bis jetzt) leider keine Stele mit ihrem Namen gefunden. Die Stele einer sitzenden Göttin (fast identisch mit Abb. 3) stammt nicht aus Ugarit und ist wahrscheinlich eine Fälschung (Cornelius, 2004, Fig. 3). Westlich des Baal-Tempels wurden Teile einer Stele gefunden (Cornelius / Niehr, 2004, Abb. 89; Cornelius, 2004, Pl. 1.9). Auf ihr trägt eine Göttin ein Gewand, das die Federn eines angelegten Flügels zeigt; in der rechten Hand hält sie einen Speer, in der linken eine Art ägyptisches anch-Zeichen. Da der Kopf fehlt, ist die Identifizierung fast unmöglich. Zwar wird Anat als fliegendes Wesen mit Flügeln beschrieben (siehe oben), aber auf der Stele geht es eher um ein Gewand.

Auf einem ugaritischen Rollsiegel (Cornelius / Niehr, 2004, Abb. 90; Cornelius, 2004, Pl. 2.2) sitzt eine geflügelte Frau mit Hörnerkrone auf einem Stier. Sie hält als „Herrin der Tiere” einen Löwen. Aufgrund der Flügel könnte es Anat sein, aber als thronende Göttin kommt auch die Hauptgöttin → Aschera in Frage.

Ein berühmtes Objekt ist Teil eines großen Elfenbeinpaneels aus dem ugaritischen Königspalast (Cornelius / Niehr, 2004, Abb. 65; Cornelius, 2004, Pl. 3.11). Eine Frau mit einer Hathorfrisur mit Hörnern und vier Flügeln ist sicherlich eine Göttin. An ihren Brüsten stillt sie zwei Jungen. Diese sind wahrscheinlich keine Götter, sondern eher Königskinder. Wie oben gesagt, ist es unsicher, ob die Göttin Anat im Keret-Epos die Kronprinzen stillt. Es wird oft behauptet, bei der geflügelten Göttin könnte es sich um Anat handeln, da sie Flügel habe und fliegt (siehe oben). Es bleibt aber umstritten, ob Text und Bild in beiden Fällen direkt zu verbinden sind.

Es ist auch nicht sicher, ob Anat auf einem Pferd dargestellt wird. Es geht hier wohl eher um → Astarte, wie eine Stele mit entsprechender Beischrift aus Tell el-Borg (Sinai) deutlich zeigt (Abb. 3 im Artikel → Reschef).

Eine kopflose Göttin auf der Stele des Šamaš-rēš-uṣur aus → Babylon wird in der Inschrift als Anat identifiziert (Mayer-Opificius, 1995).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Götter und Mythen im Vorderen Orient – Wörterbuch der Mythologie, Stuttgart 1965
  • Lexikon der Ägyptologie, Wiesbaden 1975-1992
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Dictionnaire de la civilisation phénicienne et punique, Turnhout 1992
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003
  • Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden 1999
  • Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen, Leuven 2002-2003
  • Iconography of Deities and Demons in the Biblical World, Electronic Prepublications, Download)

2. Weitere Literatur

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  • Cornelius, I., 2004, The Many Faces of the Goddess (OBO 204), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Cornelius, I. / Niehr, H., 2004, Götter und Kulte in Ugarit. Kultur und Religion einer nordsyrischen Königsstadt in der Spätbronzezeit, Mainz
  • Day, J., 2000, Yahweh and the Gods and Goddesses of Canaan, Sheffield
  • Day, P., 1999, Art. Anat, Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden, 36-43
  • Dever, W.G., 2005, Did God have a Wife?, Grand Rapids
  • Frendo, A., 1999, A New Punic Inscription from Zejtun (Malta) and the Goddess Anat-Astarte PEQ 131, 24-35
  • Gitin, S.N. / Dothan, T. / Naveh, J., 1997, A Royal Dedicatory Inscription from Ekron, IEJ 47, 1-17
  • Handy, L.K., 1994, Among the Host of Heaven: the Syro-Palestinian Pantheon as Bureaucracy, Winona Lake
  • Keel, O. / Uehlinger, C., 1992, Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen (QD 134), Freiburg
  • Lewis, J.T., 1996, The Disappearance of the Goddess Anat, BA 59, 115-121
  • Mayer-Opificius, R., 1995, Das Relief des Šamaš-rēš-uṣur aus Babylon, in: O. Loretz / M. Dietrich (Hgg.), Vom Alten Orient zum Alten Testament, Kevelaer / Neukirchen-Vluyn, 333-348
  • Lipiński, E., 1995, Dieux et Déesses de l’univers Phénicien et Punique (OLA 64), Leuven
  • Niehr, H., 1998, Religionen in Israels Umwelt. Einführung in die nordwestsemitischen Religionen Syrien – Palästinas (NEB Erg. Reihe 5), Würzburg
  • Pardee, D., 2002, Ritual and Cult at Ugarit (Writings from the Ancient World Society of Biblical Literature 10), Atlanta
  • Smith, M. S., 2002, The Early History of God, Grand Rapids
  • Stadelmann, R., 1967, Syrisch-Palästinische Gottheiten in Ägypten (PdÄ 5), Leiden
  • Van der Toorn, K., 1992, Anat-Yahu, Some other Deities, and the Jews of Elephantine, Numen 39, 80-101
  • Walls, N., 1992, The Goddess Anat in Ugaritic Myth, Atlanta

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Anat auf einer Stele aus Bet-Schean. Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg 5. Aufl. 2001, Abb. 108; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
  • Abb. 2 Anat mit Atef-Krone sitzt neben Ramses II. (Granit-Stele aus dem Tempel der Anat (?) in Tanis). Aus: P. Montet, Les nouvelles fouilles de Tanis, Paris 1933, pl. LIV (vgl. Cornelius, 2004, Pl. 2.1)
  • Abb. 3 Anat auf einer Stele aus Dēr el-Medīne (unteres Register). Aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Abb. 270

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