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Geschichte des Urchristentums

Begriff und Gegenstand

Mit dem Begriff "Urchristentum" oder "Frühes Christentum" wird in der Forschung üblicherweise das Christentum bis ca. 120/130 bezeichnet. Dabei verweisen die Kritiker des Begriffs "Urchristentum" insbesondere darauf, daß er die beschriebene Epoche vom heutigen Sprachgebrauch her als typische, normative bezeichne. Der Terminus "Frühes Christentum" sei dagegen historisch zutreffender, da er der Vielfalt und Vielschichtigkeit der Anfänge besser gerecht werde.

Es ist umstritten, ob das Leben und Wirken des irdischen Jesus mit in eine Darstellung des Urchristentums einzubeziehen ist oder nicht. Einerseits wird betont, daß es Kirche bzw. Christentum erst nach Ostern gebe, da ihr Wesen in der Verkündigung des Auferstandenen bestehe. Insofern gehöre der irdische Jesus nurmehr zu den Voraussetzungen des Urchristentums (R. Bultmann). Andererseits wird mit Recht darauf verwiesen, daß sich die frühen Christen selbst ausdrücklich auf den von Gott in Jesus von Nazaret gesetzten geschichtlichen Anfang als Basis und Norm ihres Christseins bezogen. Das bedeutet dann, daß der irdische Jesus notwendig mit einbezogen werden muß, wenn man das Urchristentum recht verstehen will. Im Rahmen dieser Bibelkunde werden das Leben und die Verkündigung Jesu aus praktischen Gründen in einem eigenen Themenkapitel dargestellt.

Quellen

Als Quellen für die Geschichte des Urchristentums stehen uns im wesentlichen nur die neutestamentlichen Schriften zur Verfügung. Besonders wichtig sind dabei die Apg und die authentischen Paulusbriefe, die für die Zeit bis ca. 60 relativ breite Informationen liefern. Über die weitere Entwicklung wissen wir dagegen verhältnismäßig wenig, da die übrigen Schriften des Neuen Testaments und die älteren Texte der Apostolischen Väter zwar ein Bild der theologischen Entwicklungen gestatten, aber nur Schlaglichter auf historische Abläufe werfen.

Die nichtchristlichen Quellen schweigen beinahe vollständig, wenn man sie über diese frühe Phase des Christentums befragt. Kurze Notizen zu Einzelereignissen finden sich bei Flavius Josephus, Tacitus und Sueton. Eine wichtige Quelle ist dann der Briefwechsel zwischen Plinius d.J und dem Kaiser Trajan, der einen Blick auf die Ausbreitung des Christentums am Beginn des 2. Jh. in Pontus und Bithynien (Nordkleinasien) und die römischen Gegenmaßnahmen gestattet.

Datierungen

Generell kann gesagt werden, daß aufgrund des Charakters der Quellen nur wenige Ereignisse in der Geschichte des Urchristentums exakt datiert werden können. Eine genauere chronologische Festlegung kann nur dann erfolgen, wenn auf Ereignisse der Profangeschichte Bezug genommen wird, deren Datierung aus anderen Quellen erschlossen werden kann.

Eine halbwegs zuverlässige Datierung einiger Ereignisse gelingt auf dem Umweg über die Biographie des Apostels Paulus. Bei ihm ist es möglich, aufgrund der Angaben in seinen Briefen (vor allem in Gal 1f.) eine relative Chronologie herzustellen. Die in Apg 18,12-17 berichtete Episode (Anklage vor dem Prokonsul Gallio) erlaubt dann den Übergang in die absolute Chronologie. Eine in Delphi gefundene fragmentarische Inschrift datiert die Amtszeit des Lucius Junius Gallio auf Frühjahr 51 bis Frühjahr 52. Der 18monatige erste Aufenthalt des Apostels in Korinth wird meist für Herbst 50 bis Frühjahr 52 angenommen. Von diesem Datum aus lassen sich dann alle anderen Ereignisse in der Geschichte des Urchristentums, an denen Paulus beteiligt war, zeitlich fixieren.

Literatur

H. Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, GNT 5, 6. Aufl., Göttingen 1989.

W. Schneemelcher, Das Urchristentum, UT 336, Stuttgart u.a. 1981.

F. Vouga, Geschichte des frühen Christentums, UTB 1733, Tübingen, Basel 1994.

F. Winkelmann, Geschichte des frühen Christentums, München 3. Aufl. 2005.

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