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Zusätze zu Daniel

Textformen

Ähnlich wie beim Esterbuch überliefert die griechische Septuaginta mitsamt ihren Folgeübersetzungen für das Danielbuch einen deutlich längeren Text, der den Umfang des hebräisch-aramäischen Teils um ca. 50% übersteigt. Von diesen Zusätzen wurden die beiden Gesänge der Männer im Feuerofen in das Kapitel 3 des kanonischen Buches eingefügt, die anderen als Kapitel 13 und 14 an das Ende des Buches gestellt. Die Existenz der Zuwächse belegt, daß das stufenweise Wachstum des Danielbuches auch nach der Kanonisierung des hebräisch-aramäischen Teils weiter angehalten hat. Dies ist für apokalyptische Literatur typisch, wie sich auch an den Büchern 1.Henoch oder 4.Esra zeigen läßt.

(Bei den Verweisen auf den Bibeltext ist in diesem Kapitel zu berücksichtigen, daß die Lutherbibel die Zusätze zu Daniel als "Stücke zu Daniel" in anderer Zählung und Reihenfolge enthält.)

Gesang der 3 Männer

Das Kapitel Daniel 3 berichtet, wie die drei Freunde Daniels, Schadrach, Meschach und Abed Nego, in den Feuerofen geworfen werden, weil sie sich weigern, das goldene Standbild Nebukadnezzars anzubeten. Im kanonischen Text scheint es dabei einen Bruch zwischen den Versen 23 und 24 zu geben, da der König unvermittelt über einen vierten Mann im Ofen erschrickt. Es ist vermutet worden, daß hier eine Vorform der Gesänge der drei Männer ausgefallen ist. Diese werden als Zusatz in 3,24-90 überliefert, wobei dann Septuaginta und Vulgata den kanonischen Text als V. 91ff. weiterzählen. Im ersten Gesang 3,24-45 klagt Asarja (= Abed Nego nach 1,7) über ihr Schicksal und bekennt die Sünden des Volkes. Es wird die Hoffnung geäußert, daß das Martyrium der drei Männer die Sünden des Volkes tilgen möge. Damit findet sich hier (neben 2.Makk 7) der älteste Beleg für die Vorstellung vom stellvertretenden Sühnetod eines Menschen, ohne den die neutestamentliche Kreuzesbotschaft nicht denkbar wäre.

Hymnus der 3 Männer

Der Hymnus der drei Männer in 3,51-90 wurde in verschiedenen Kirchen in die Liturgie aufgenommen. Wie in älteren Psalmen (z.B. 19a und 148) die ganze Schöpfung Gott loben soll, so sollen auch hier alle Mächte und Gewalten in den Preis Gottes mit einstimmen. Dabei zeigt sich eine Nähe zur apokalyptischen Literatur insofern, als vom Vorhandensein von Engeln ausgegangen wird; die Naturgewalten werden als Mächte mit eigener Lebendigkeit und direktem Bezug zu Gott verstanden. Dies geht über die älteren Schöpfungsvorstellungen hinaus und soll wohl von der Verehrung solcher Mächte abhalten (vgl. Paulus in Gal 4,9f.), gleichzeitig aber auch die Schöpfermacht Gottes herausstellen.

Die beiden Gesänge sind wohl unabhängig vom Prosatext des Kapitels entstanden. Auch sie waren ursprünglich aramäisch formuliert, sind dann aber früh in das Griechische übersetzt und wohl zu diesem Zeitpunkt in die Erzählung von den drei Männern im Feuerofen gesetzt worden.

Susanna

Die Erzählung von Daniel und der schönen Susanna in Kap. 13 stellt Daniel in V. 45 so vor, als sei er noch gar nicht in Erscheinung getreten. Das spricht dafür, daß es sich hier um eine ursprünglich selbständige Geschichte handelt, die erst nachträglich mit dem Danielbuch verklammert wurde. Die syrische Übersetzung führt sie als eigenes Buch. Daniel wird hier im Märchenstil als ein junger Weiser (vgl. Ez 28,3) geschildert, der in Babel die schöne und gottesfürchtige Susanna rettet. Diese wird von zwei alten, angesehenen Männern bedrängt und, als sie um Hilfe ruft, der Verführung eines Minderjährigen angeklagt. Daniel tritt für sie ein und sichert damit Gültigkeit und Durchsetzung der Rechtsordnung der Tora. Die Entstehungsumstände dieser Schrift sind ungeklärt, sie ist zudem in zwei abweichenden griechischen Versionen belegt.

Bel und der Drache

Auch die Erzählungen des Kapitels 14 sind in der Exilssituation angesiedelt. Doch sie stehen inhaltlich näher an den Kapiteln 3-6 und schildern den Konflikt zwischen dem Glauben an den wahren Gott Israels und der Forderung der fremden Könige, einen Götzen anzubeten. In der ersten Erzählung, 14,1-22, entlarvt Daniel durch eine List den Kult des Bel (= Marduk) zu Babel als Betrug der Priester, worauf der Tempel zerstört wird. In der zweiten, 14,23-42, tötet Daniel den als Gott verehrten Drachen, worauf er in die Löwengrube (vgl. Kap. 6) geworfen wird. Am Ende steht das Bekenntnis des Königs zum Gott des Daniel. Für diese polemischen Texte ist eine Entstehung noch in vorchristlicher Zeit anzunehmen. Wieder sind zwei abweichende griechische Versionen erhalten, die wohl auf ein aramäisches Original zurückgehen.

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