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Die synoptischen Evangelien

Begriffsdefinition / synoptischer Aufriß

Der weitgehend parallele Aufbau der Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas ermöglicht es, sie so aufzuschreiben, daß die sich entsprechenden Abschnitte aus jedem Werk nebeneinander stehen. Eine solche Zusammenstellung heißt "Synopse" (Zusammenschau). Deshalb bezeichnet man diese drei Evangelien seit dem Ende des 18. Jh. als "synoptische Evangelien". Das Johannesevangelium bietet dagegen sowohl einen abweichenden Aufriß als auch weitgehend anderes Material. Nur in der Passionsgeschichte (und in wenigen weiteren Passagen) greifen alle 4 Evangelien offensichtlich auf gemeinsame Traditionen zurück.

Die synoptischen Evangelien bestehen aus deutlich voneinander abgrenzbaren Einzelepisoden, den Perikopen.

Das synoptische Problem

Übersicht: Grobgliederung der Synoptiker

Betrachtet man die Abschnitte der synoptischen Evangelien, die sich entsprechen, finden sich eine ganze Reihe von Passagen, die nahezu wörtlich übereinstimmen. Zugleich fallen aber – gerade wenn man den weitgehend parallelen Aufbau berücksichtig – die Differenzen zwischen den Synoptikern auf. Am Anfang (Kindheitserzählungen, Versuchungsgeschichte) und am Ende (Ostererzählungen) sind Mt und Lk ausführlicher als Mk, stimmen aber im gebotenen Material nur teilweise überein. Differenzen finden sich z.B. im Stammbaum Jesu (Mt 1,2ff.; Lk 3,23ff.), in der Geburtsgeschichte (Mt 2,1ff.; Lk 2,1ff.) und bei den Erscheinungen des Auferstandenen (Mt 28; Lk 24).

Daneben finden wir eine ganze Reihe über Mk hinausgehende Stoffkomplexe bei Mt und Lk, in denen sie z.T. fast wörtlich übereinstimmen (z.B. Lk 3,7-9 und Mt 3,7-10). Schließlich enthält jedes Evangelium Material, das keines der anderen bietet (z.B. Mt 25,31-46; Mk 4,26-29; Lk 19,1-10).

Ausgehend von diesem literarischen Befund ergibt sich das sogenannte "synoptische Problem": Wie erklärt sich die große literarische Verwandtschaft der synoptischen Evangelien untereinander, und worauf lassen sich die trotz der so weitgehenden Übereinstimmung vorhandenen Differenzen zurückführen?

Die 2-Quellen-Theorie

Schema der 2-Quellen-Theorie

Nachdem das Problem am Ende des 18. Jh. erkannt worden war, hat man verschiedene Theorien zu seiner Lösung aufgestellt. Einen überzeugenden Ansatz bot aber erst die sogenannte 2-Quellen-Theorie, die in der 2. Hälfte des 19. Jh. entwickelt wurde und sich seitdem weithin durchgesetzt hat. Sie besagt in ihrer klassischen Form, daß:

1. das Markusevangelium das älteste der drei synoptischen Evangelien ist und von Matthäus und Lukas als Quelle benutzt wurde;

2. Matthäus und Lukas eine weitere gemeinsame Quelle benutzt haben, die nicht erhalten ist, aber aus den beiden Evangelien noch rekonstruiert werden kann. Diese Quelle bestand hauptsächlich aus Aussprüchen Jesu und wird deshalb Logien(= Spruch)quelle genannt. In der Fachliteratur wird sie mit Q (= Quelle) abgekürzt.

Da die klassische 2-Quellen-Theorie sowohl das mk Sondergut (Mk 2,27; 3,20f; 4,26-29; 7,31-37; 8,22-26; 9,48f; 14,51f; 15,44) als auch die "minor agreements", kleinere wörtliche Übereinstimmungen von Mt und Lk gegen Mk, nicht erklären kann, wird sie heute oft in modifizierter Form vertreten (bzw. von einigen Forschern sogar ganz in Frage gestellt). So rechnen viele Exegeten aufgrund der über den gesamten Evangelienstoff verteilten minor agreements (insgesamt ca. 700) damit, daß die Verfasser von Mt und Lk das Markusevangelium in einer überarbeiteten Fassung benutzt haben (Deuteromarkus) bzw. wir ein überarbeitetes Markusevangelium im Kanon überliefert haben.

Mt und Lk bieten z.T. erhebliche Unterschiede im Wortlaut und der Abfolge des gemeinsamen Logiengutes. Diese Varianten lassen sich zwar häufig mit der redaktionellen Arbeit der Evangelisten begründen, doch bleibt ein Rest, bei dem diese Erklärung versagt. Man wird deshalb davon ausgehen müssen, daß Q den Verfassern von Mt und Lk in verschiedenen Versionen vorlag.

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