Das Buch Rut spielt der Überschrift nach in der Zeit der Richter, daher wurde es in LXX, Vulgata und bei Luther zwischen dem Richterbuch und den Samuelisbüchern eingeordnet. Der jüdischen Tradition nach gehört es zu den fünf Festrollen, Megillot; es wird zum Wochenfest (christlich: Pfingsttermin) verlesen. Dieses Fest ist das Fest der Ernte und der Geburt und des Todes Davids.
Sowohl das Ernten (Kap. 2) und der genealogische Zusammenhang mit David spielen im Buch Rut eine Rolle. Das Buch will erklären, weshalb eine Moabiterin (Rut) Ahnmutter des israelitischen Königs David sein kann. Der Form nach ist das ganze Buch eine durchgehende, novellistische Erzählung (vgl. die Josefsnovelle). In der Darstellung ist alles davon bestimmt, daß Gottes unsichtbare Führung die Wege der Rut zum Guten (zum auf David hinweisenden Stammbaum) leitet. Die Darstellung ist allerdings in großem Maße typisiert, man beachte nur die Namen der Männer: Machlon = Krankheit, Kiljon = Schwindsucht; dagegen: Rut = die Anmutige.
Eine Gliederung des Buches ist kaum sinnvoll, daher sollte man den Erzählverlauf vom Auszug Ruts mit ihrer Schwiegermutter Noomi aus Moab bis zu ihrer Heirat mit Boas nacherzählen können.
Für das Verständnis der Geschichte wie für andere Texte des AT sind einige Details von Bedeutung: Im Hintergrund stehen zwei miteinander verbundene Vorstellungen des israelitischen Rechts: Die Leviratsehe und die Vorstellung vom Erbbesitz des Landes (נַחֲלָה, naḥalâ), vgl. 4,5. Das Land gilt als von Gott den einzelnen Vätern/ Familien zugeteilt. Daher kann man Land nicht verkaufen, es muß innerhalb der Familie bleiben (vgl. Naboths Weinberg 1.Kön 21: V. 4. Da nun die eigentlichen Erben gestorben sind, muß das Land (der Tradition nach mit der dazugehörigen Frau) an ein Mitglied der erweiterten Familie, den Löser, גּוֹאֵל, gô’el, weitergegeben werden. Der Löser muß an Rut die sogenannte Leviratsehe (vgl. Dtn 25,5-10, Gen 38) vollziehen, um so dem Verstorbenen Nachwuchs zu erzeugen und den Namen zu erhalten. Die entsprechenden Verhandlungen haben vor Zeugen im Tor der Stadt zu geschehen.
Autoren: Martin Rösel (AT), Klaus-Michael Bull (NT)
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