Das Buch Josua setzt den Tod des Mose voraus, nun ergeht der Befehl Gottes, Israel über den Jordan in das gelobte Land zu führen. Es folgt die Schilderung der Inbesitznahme und Verteilung dieses Landes.
Die Rahmung des Buches durch die Kapitel 1 und 23-24 bringt die besondere theologische Zielsetzung zum Ausdruck: Josua wird in Kap. 1 dazu verpflichtet, sich an Gottes Weisungen zu halten (V. 7+8), damit sein Weg gelinge. In den Schlußkapiteln gibt Josua nach der Verteilung des Landes (vor seinem Tod, wie Mose es getan hatte) diese Mahnungen an das Volk weiter, vgl. 23,16. Das Volk bekräftigt daraufhin den Vorsatz, sich an Gottes Bundessatzungen halten zu wollen (24,24). Die Struktur des Bundesschlusses ist dabei erneut dieselbe wie beim Sinaibund: Zunächst bewirkt Gott die Einlösung der Verheißungen, dann folgt die Verpflichtung des Volkes, diesem Gott dienen zu wollen. In dogmatischer Sprache gesprochen: Erst das Evangelium, dann das Gesetz
Die Kapitel 1-12 wollen pars pro toto erzählen, wie die Eroberung des Landes geschehen ist. Nach dem Jordandurchzug Kap. 3+4 und der Feier der Ankunft im Lande Kap. 5 wird Jericho als erste große Stadt erobert Kap. 6, ausgekundschaftet in Kap. 2. Es folgt das bei Bet-El gelegene Ai (dt.: Ruinenhügel, Schutthaufen), Kap. 7+8, dann, weiter südwestlich, Gibeon, Kap. 9. Schematisch berichten dann Kap. 10+11 über die Eroberung des restlichen Landes. Der Bericht ist teilweise erkennbar aus Einzelüberlieferungen, ätiologischen Sagen, zusammengesetzt und operiert mit einem typisierten Bild eines gesamtisraelitischen Heerbannes, den es so sicher nicht gegeben hat. Es fällt auf, daß sich das in Kap. 3-9 berichtete Geschehen nur auf dem Gebiet eines Stammes, Benjamins, abspielt. Die scheinbar historisch zuverlässige Geschichtsschreibung ist durchsetzt mit theologisch bedeutsamen Zügen: Das Manna hört auf, nun gibt das Land (in dem Milch und Honig fließen, Ex 3,8) seine Gaben. Die Eroberungen müssen durch Beschneidung und Passa kultisch vorbereitet werden.
Kartenskizze: Stationen bei der Landnahme (Jos 3-9)
Im Zentrum des Buches Josua stehen die bibelkundlich kaum zu erfassenden Kapitel 13-22, in denen das Land an die Stämme Israels verteilt wird. Damit wird die Erfüllung der Verheißungen beschrieben (vgl. Jos 21,43-45). Wichtig ist die geographische Orientierung der einzelnen Stämme. Im Ostjordanland siedeln Ruben, Gad und Halb-Manasse, im Süden Simeon, Benjamin, Juda, in der Mitte des Landes Josef [= Efraim und Halb-Manasse]. Dan (wandert vom Süden nach Norden), Sebulon, Issachar, Ascher und Naftali werden im Norden lokalisiert.
In Kap. 22 werden die Oststämme entlassen und bauen einen Altar am Jordan. Dies wird von den Israeliten als Treuebruch erachtet (vgl. Dtn 12), doch der Altar soll nur zur Erinnerung dienen, nicht für Opfer verwendet werden.
Das abschließende Kap. 24 schildert die Ereignisse am sogenannten "Landtag zu Sichem". Hier ist besonders der Geschichtsrückblick von Abraham bis zur Landverteilung von Interesse, vgl. 1.Kön 8. Nach Josuas Tod und Beerdigung werden auch die Gebeine Josefs begraben. So wird der Eid, den Josefs Söhne in Gen 50,25 geschworen hatten, ihren Vater nicht in Ägypten zu beerdigen, eingelöst.
Autoren: Martin Rösel (AT), Klaus-Michael Bull (NT)
Wer fundierte Kenntnisse über biblische Bücher und Themen erwerben will, hat mit dieser CD-ROM ein einmaliges Hilfsmittel zur Hand. Nutzen auch Sie diesen Erfolgstitel zur Vertiefung Ihrer Bibelkunde-Kenntnisse!
Gegenüber der Online-Version unterscheidet sich die CD-ROM durch folgende zusätzliche Leistungen:
In 29 hochwertigen Landkarten mit ausführlichen Registern dokumentiert der Tübinger Bibelatlas in einzigartiger Weise die historische Geographie der biblischen Länder. Ein herausragendes Ortsregister...