Haggai ("der am Fest Geborene"), Sacharja und Maleachi gehören zusammen mit den Tritojesaja-Stücken und Joël in die Zeit nach dem Ende des Exils. Von ihnen ist Haggai wohl der älteste; die Datierungen im Buch weisen auf das Jahr 520v.Chr. Haggai und Sacharja finden in Esra 5,1 Erwähnung als "Propheten… im Namen des Gottes Israels, dem sie zu eigen gehörten". Das Buch ist nach der Zeit Haggais im Stil einer Geschichtsschreibung entstanden. Die hierbei verwendete Form eines Fremdberichts, in den ältere Stücke des Propheten eingearbeitet wurden, sollte möglicherweise die Autorität erhöhen.
Das Leitthema der beiden Kapitel ist die Frage nach dem Wiederaufbau des Tempels. Haggai geht davon aus, daß der Aufbau notwendig ist, sonst könne die erwartete Wende zur Heilszeit nicht stattfinden: "Steiget hinauf in das Gebirge und schlaget Holz und baut das Haus, dann werde ich Wohlgefallen daran haben und mich in meiner Herrlichkeit zeigen, spricht der Herr" (1,8). Die Argumentation ist also die, daß es den Israeliten schlecht geht, weil sie den Tempel nicht gebaut haben und nur für sich selbst sorgen. Nach dem Bau des Heiligtums erwartet Haggai eine Völkerwallfahrt zum Zion (vgl. Jes 2 und Mi 4). Tritojesaja, der gegen den Tempelbau eingestellt war, argumentierte demgegenüber, daß der Tempelbau von wahrer Demut und gerechtem Handeln ablenke und zu rein äußerlicher Frömmigkeit führe (Kap. 58+66,1-4). Haggai wird als so alt dargestellt, daß er die Herrlichkeit des ersten Tempels noch erlebt habe (2,3), ob dies historisch haltbar ist, muß unklar bleiben. Ebenso ist unbekannt, ob Haggai selbst im Exil war oder in Jerusalem geblieben ist.
Hag 2 spiegelt noch weitere Auseinandersetzungen der nachexilischen Zeit. So geht es V. 10-14 um die Frage, ob Unreine/ Unheilige am Tempelbau mithelfen können. Dies verweist auf die Konflikte um die Samaritaner oder um die Problematik der Mischehen der Daheimgebliebenen (vgl. Esra 9), die von den wohl rigoristischer gesinnten Heimkehrern angefeindet wurden.
Der hier wie in Esra 3-5 angesprochene Serubbabel ("Sproß Babels") war als Enkel des vorexilischen Königs Jojachin (vgl. 1.Chron 3,17) ein Davidide, also ein Träger der Dynastieverheißung. Serubbabel wurde um 520 v.Chr. von den Persern als Statthalter nach Jerusalem gesandt und weckte dort messianische Hoffnungen, vgl. auch Sach 4,6-10.
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