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Sadduzäer

Die Sadduzäer

Als Nachrichtenquellen über die Sadduzäer stehen uns nur die Sekundärberichte bei Flavius Josephus, im Neuen Testament, in der rabbinischen Literatur und bei den Kirchenvätern zur Verfügung. Die Auswertung dieser Quellen ist noch schwieriger als im Falle der Pharisäer. Während dort die Sekundärquellen aus unterschiedlicher Perspektive berichten, sind die Nachrichten über die Sadduzäer durchweg kritisch bis polemisch.

Der Name "Sadduzäer" (Σαδδουκαῖος/ saddukaios) ist erstmalig Mk 12,18 bezeugt und von Zadok abzuleiten, der in der davidisch-salomonischen Zeit Hoherpriester war (vgl. 2Sam 8,17 u.ö.). Als Parteiname bezeichnet er aber nicht mehr einen Angehörigen der sich auf Zadok zurückführenden Priesterdynastie, sondern einen Parteigänger der zadokidischen Priesteraristokratie.

Über den Ursprung der Partei der Sadduzäer schweigen die Quellen. Flavius Josephus erwähnt sie erstmalig zur Zeit der Regierung des Makkabäers Jonatan (161-143)), redet von ihnen dabei aber als von einer bereits etablierten Größe im Machtgefüge des jüdischen Staates. Man gewinnt den Eindruck, dass die Sadduzäer in dieser frühhasmonäischen Zeit eine Art "Regierungspartei" waren, die als Standespartei der höheren Jerusalemer Tempelpriesterschaft nachhaltigen Einfluß ausübte. Sie stützten dabei mit ihrer national- partikularistischen Grundeinstellung die Politik der Hasmonäer.

Die weitere Geschichte der Sadduzäer ist von einem steten Wechsel von Zeiten des politischen Einflusses und solchen der Opposition bestimmt. Nachdem die Römer den Herodessohn Archelaos abgesetzt hatten (6 n.Chr.) gewannen sie noch einmal erheblich an Macht. Flavius Josephus rechnet z.B. den Hohenpriester Hannas d.J. zur Partei der Sadduzäer. Diese Machtposition war allerdings durch die römischen Präfekten bzw.Prokuratoren auf Tempel und Tempelstaat begrenzt. Das zwang die Sadduzäer zu einem politischen Spagat zwischen den eigenen Interessen und denen der römischen Besatzungsmacht, wenn sie ihre relative Autonomie erhalten wollten (vgl. Joh 11,47-50).

Nach allem, was wir wissen, war den Sadduzäern ein konservativer Grundzug eigen, der sie zu Verfechtern des politischen und religiösen status quo machte. Interessanterweise konnte sich dieser Konservatismus aber durchaus mit einer aufgeschlossenen Haltung gegenüber den kulturellen Einflüssen des Hellenismus verbinden. Dafür sind nicht zuletzt die archäologischen Funde aus dem Jerusalem des 1. Jh. beredtes Zeugnis.

Im Gegensatz zu den Pharisäern, deren Konstruktion einer mündlichen Tora sie strikt ablehnten, erkannten die Sadduzäer nur die schriftliche Tora als verbindlich an. Damit hing zusammen, dass sie die Hoffnung auf eine zukünftige Auferstehung der Toten und auf eine endzeitliche Vergeltung für die Gerechten nicht teilten. Vielmehr waren sie Anhänger einer innerweltlichen Vergeltungslehre, d.h. sie rechneten damit, dass der Mensch von Gott bereits im irdischen Leben Lohn und Strafe erhält. So schärften sie die Eigenverantwortlichkeit des Menschen für sein Tun ein.

Die Geschichte der Sadduzäer endet mit der jüdischen Niederlage und der Zerstörung des Tempels im Jahre 70, die die Basis ihrer Macht und den Bezugspunkt ihrer religiösen Anschauungen zerstörten.

Literatur

H.-F. Weiß, Art. Sadduzäer, TRE XXIX, 589-594.

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