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Israel und Juda

Die Zeit der Reiche Israel und Juda

Geschichtsbild

Wie bei den vorangehenden Abschnitten über die Anfänge des Staates Israel ist auch hier wieder zu beachten, dass die Berichte in den beiden Königsbüchern keine Geschichts schreibung im heutigen Sinn sind. Sie wollen nachträglich Geschichten über Gottes Handeln an Israel erzählen. Dabei wird nicht so sehr nach historischen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen gefragt, sondern die leitenden Kategorien sind beispielsweise die Stellung eines Königs zur Tora – selbst wenn die zu jener Zeit noch gar nicht in Kraft gesetzt worden ist. Im Rahmen dieses Kapitels kann nur ein sehr knapper Überblick geboten werden, für Details muss auf eine Geschichte Israels verwiesen werden. Die hier gegebene Übersichtstabelle über die Könige Judas und Israels verwendet zur historischen Orientierung die herkömmlichen Datierungen. Die Chronologie der Königszeit ist aber mit so vielen Problemen behaftet, dass eine exaktere Darstellung nicht gegeben werden kann.

Salomo

Nachdem sich Salomo in den Thronwirren als Nachfolger Davids durchgesetzt hatte (1.Kön 1f.), begann in Israel eine Phase des Friedens und des inneren Ausbaus. So wurde der Tempel in Jerusalem nach seinem Neu- oder Umbau als Staatsheiligtum eingesetzt. Damit hatte das junge Reich einen kultischen Mittelpunkt erhalten, der allerdings die vorhandenen Heiligtümer in den Regionen nicht ersetzte. Besonders im Gebiet des späteren Nordreichs wurden langsam erste, übergreifende Verwaltungsinstanzen aufgebaut, im Süden hielten sich dagegen weiterhin die vorhandenen Strukturen des Stammes Juda. Die Bautätigkeit Salomos machte die Einführung von Arbeitsverpflichtungen der Bevölkerung notwendig.

Reichsteilung

Über die Frage dieser Zwangsarbeit scheint es unter Salomos Nachfolger Rehabeam zum Bruch zwischen dem Norden und dem Süden gekommen zu sein. Seit ca. 926 v.Chr. gab es damit zwei unabhängige Staaten, die aber tiefgreifende Differenzen in Verfassung und Organisation aufwiesen.

Südreich

Das Südreich Juda lag etwas abgeschieden von den internationalen Handels- und Verkehrswegen und war daher von den Kriegsgeschehnissen wenig gefährdet. Dominierend im Inneren blieb vor allem der Stamm Juda, deshalb kam es nicht zu größeren Machtkonflikten. Die Dynastie Davids konnte ihre Macht bis zum Untergang behaupten.

Nordreich

Das Nordreich dagegen wurde allein durch seine geographische Lage in die Auseinandersetzungen um die Expansionsversuche der assyrischen, Könige hineingezogen. Hinzu kam eine Instabilität im Inneren, die daher rührte, dass die Interessen der einzelnen Stämme oft nicht ausgeglichen werden konnten. So wurde erst durch Omri mit Samaria eine endgültige Hauptstadt bestimmt (1.Kön 16,24), nachdem vorher verschiedene Orte zeitweise Residenz waren. Ein planvoller staatlicher Ausbau innerhalb des Nordreiches Israel lässt sich erst in der Regierungszeit der Dynastie des Omri erkennen, die um 845 durch einen Militärputsch des Jehu abgesetzt wurde (2.Kön 10).

Jehu allerdings wurde wenig später den Assyrern tributpflichtig, was auf dem sogenannten "Schwarzen Obelisken" des Salmanassar III., nicht aber im AT festgehalten wurde.

Staatsheiligtümer

Einen wichtigen Einschnitt auf dem kultisch-religiösen Gebiet stellte die Einrichtung von zwei Staatsheiligtümern in Dan und Bet-El dar (1.Kön 12,26ff., vgl. Am 7,10-17). Damit sollte die israelitische Bevölkerung davon abgebracht werden, sich weiterhin zu bestimmten Wallfahrtsfesten nach Jerusalem zu begeben. Die Heiligtümer wurden mit Stierbildern versehen, die an den Gott des Auszugs erinnern sollten. Die spätere judäische Geschichtsdeutung hat in der Einrichtung dieser Kultorte den Abfall des Nordreichs von Gott gesehen (vgl. das Exodus-Kapitel), wie auch schon Propheten wie Amos und Hosea die dortigen Kultpraktiken bekämpft hatten (vgl. Am 5,21ff.).

Untergang des Nordreiches

Das Nordreich Israel erlebte eine letzte Blütezeit unter Jerobeam II., nachdem es in den Jahren davor dauernde Auseinandersetzungen mit den angrenzenden Aramäern (und mit Juda im Süden) gegeben hatte. Doch die assyrische Expansion, die zum Machtverlust der Aramäer geführt hatte, griff dann auch auf Israel-Palästina über, was dann letztlich zum Untergang des Nordreiches führte (vgl. das Thema-Kapitel "Exil").

Juda nach 722

Der assyrischen Bedrohung wollte König Hiskija, im Südreich Juda durch Bündnisse mit Nachbarstaaten und mit den Ägyptern entgehen, doch die Opposition brach unter dem Druck der angreifenden Assyrer schnell zusammen. Jerusalem wurde belagert, nicht aber erobert (2.Kön 18). Wie später Joschija, (vgl. das Thema-Kapitel) unternahm Hiskija eine Konzentration des Jerusalemer Kults auf die Alleinverehrung JHWHs (2.Kön 18,4), dies wohl vor allem unter dem Einfluß von nordisraelitischem Gedankengut, das Flüchtlinge mit in den Süden gebracht hatten.

Unter der Herrschaft von Hiskijas Nachfolger Manasse kam es wohl zu einer neuen Abhängigkeit von den Assyrern, die erst wieder abgeschüttelt werden konnte, als im Osten die Meder und Neubabylonier erstarkten. Durch das so entstandene Machtvakuum gelang es während der Regierungszeit des Joschija noch einmal, Juda zur Selbständigkeit zurückzuführen. Doch bei dem Versuch, den Vormarsch des Pharaos Necho zu stoppen, wurde Joschija bei Megiddo getötet. Nachdem die Neubabylonier 605 bei Karkemisch den ägyptischen Vorstoß abwehrten, geriet Juda in ein neues Vasallenverhältnis. Bei den Versuchen, die neubabylonische Oberherrschaft abzuschütteln, kam es zur Katastrophe der Zerstörung des Tempels und der Exilierung der Oberschicht Judas.

Literatur

Jede Geschichte Israels, dazu Namensartikel zu den einzelnen Königen in einem Bibellexikon.

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