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Zusätze zu Ester

Zusätze zu Ester

Textformen

Das Buch Ester existiert in zwei unterschiedlichen Fassungen, einer kürzeren, hebräischen und der längeren, griechischen Textform. Der griechische Text weist mehr als 100 zusätzliche Verse auf, die über das ganze Buch verteilt sind. Seit der lateinischen Vulgata-Übersetzung des Hieronymus, der sich stärker am hebräischen Text orientierte, stehen diese Texte als 10,4-16,24 im Anschluss an den Text der Kurzfassung. In der Septuaginta und einigen Bibelübersetzungen werden die Zusätze jedoch an der Stelle abgedruckt, an der sie sich sinnvoll in den hebräischen Text einfügen. Die einzelnen Verse erhalten dann die Nummer des Verses, an den sie angeschlossen sind und werden mit Buchstaben weitergezählt.

Inhalt

Die Zusätze zum Esterbuch wollen inhaltliche Defizite ausgleichen, die die kurze Form offensichtlich aufwies. Im hebräischen Text wird nur in 4,14 auf Gottes Macht angespielt; die Zusätze fügen nun in Gebeten und Träumen Bezugnahmen auf Gott und seine Macht ausdrücklich ein. Die Historizität des Dargestellten soll zusätzlich durch die Zitation von offiziellen Erlassen des Königs erhöht werden.

In 1,1a-r wird ein Traum von Mordechai, Esters Vormund, berichtet, der an die Visionen in Dan 2+10-12 erinnert. Zudem wird berichtet, wie Mordechai von der Verschwörung gegen Xerxes, erfährt. Der Traum erfährt seine Deutung in 10,3a-k, wo die im Esterbuch geschilderten Ereignisse mit den Elementen des Traums in Übereinstimmung gebracht werden. In 3,13a-g wird der Erlass zur Ausrottung aller Juden nachgetragen; in 8,12a-v der zweite Erlass des Königs, der den ersten außer Kraft setzt und die Juden unter seinen Schutz stellt. Die Zusätze 4,17a-i und k-z sind Gebete des Mordechai und der Ester, die Gott anrufen und ihr Wohl in seine Hände legen. Die Verse 5,1a-f und 5,2a+b berichten ausführlicher, wie Ester "in blühender Schönheit" vor dem König erscheint. Am Ende des Buches erklärt 10,3l, wie die griechische Übersetzung im Jahre 114 v.Chr. nach Alexandrien gekommen sei.

(Bei den Verweisen auf den Bibeltext ist zu berücksichtigen, dass die Lutherbibel die Zusätze als "Stücke zu Ester" in anderer Reihenfolge und mit anderer Zählung enthält.)

Entstehung

Die Erweiterungen des Esterbuches sind gewiss in einem schriftgelehrten Umfeld (in Palästina?) entstanden, in dem das heute erhaltene hebräische Buch bereits eine gewisse Geltung hatte. Gleichzeitig hatte man aber auch gewisse Standards entwickelt, denen eine solche Geschichte zu entsprechen hatte. So mussten die jüdischen Hauptdarsteller in ihrer Gottesfurcht und Gesetzestreue ausgezeichnet werden, die Geschichtsmächtigkeit Gottes wurde dadurch betont.

Die einzelnen Zusätze sind in ihrer sprachlichen Gestaltung nicht einheitlich, so dass verschiedene Entstehungsstadien angenommen werden müssen. Es scheint sicher zu sein, dass die beiden königlichen Erlasse ursprünglich in Griechisch formuliert wurden, die anderen Zusätze können auch einen hebräischen Ursprung haben. Zur Datierung lassen sich nur Vermutungen anstellen. Sicher ist immerhin, dass der jüdische Geschichtsschreiber Josephus im 1. Jh. n.Chr. die Zusätze kannte, teilweise stammen sie sicher aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert.

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