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Das Buch der Weisheit / Sapientia

Übersicht über das Buch der Weisheit

Name

Wie das Hohelied oder das Predigerbuch wird das Buch der Weisheit dem König Salomo zugeschrieben, dessen Weisheit nach 1.Kön 10,6 weltbekannt war. Das Buch selbst erwähnt Salomo nicht mit Namen, doch Anklänge an den biblischen Bericht über ihn in 7,7 und 9,8 lassen den Schluß zu, daß jener der Verfasser sein soll. In der griechischen Übersetzung wird das Buch daher mit der Überschrift "Weisheit Salomos" betitelt (= lat. sapientia Salomonis), in der lateinischen Vulgata heißt es "Buch der Weisheit".

Thematik

Die Sapientia Salomonis steht in der Tradition der biblischen Weisheitsliteratur, wie sie durch das Buch der Sprüche, die Reden im Hiobbuch und das ebenfalls apokryphe Sirachbuch repräsentiert wird. Wie diese möchte die Schrift zu einem Leben in Weisheit und Gottesfurcht anleiten; nur so ist eine erfüllte Existenz möglich. Und wie im Hiobbuch soll eine Antwort auf die Frage nach ungerechtem Leid versucht werden (Kap. 3-5). Doch trotz solcher Nähen steht das Buch an einem Schlußpunkt der Entwicklung der israelitischen Weisheit, denn Sprache und Denken der Sapientia sind ebensosehr griechisch-hellenistisch wie biblisch geprägt. Der Autor hat sich einer Vielzahl von Stilelementen der hellenistischen Literatur bedient, beispielsweise stehen die Kapitel 6-9 griechischen Traktaten über die Aufgaben eines Königs nahe. Zudem ist deutlich, daß der Verfasser von den philosophischen Strömungen seiner Zeit, der Stoa und dem Mittelplatonismus, beeinflußt ist. Gleichzeitig werden auch biblische Vorstellungen weiterentwickelt. Salomos Gebet um Weisheit (1.Kön 3) findet eine Wiederaufnahme in Kap. 9. Die aus Prov 8 bekannte Darstellung der personifizierten Weisheit erfährt eine Weiterentwicklung: Die Weisheit gilt nun als Abglanz Gottes, als Ausfluß seiner Herrlichkeit ist sie im ganzen Weltall präsent (7,22-8,1).

Theologie

Auch auf Fragen der apokalyptischen Literatur wird geantwortet. Die bereits formulierte Vorstellung der Auferstehung der Toten wird mit griechischen Vorstellungen weiterentwickelt: Seele und Leib gelten als getrennte Größen, so daß die Seele nach dem Tod wie ein Darlehen zurückgefordert und belohnt oder bestraft werden kann (15,8, vgl. 5,15). Während Gott den Menschen zur Unverweslichkeit geschaffen hat, kam der Tod durch den Neid des Teufels in die Welt (2,23f.). Diese dualistischen Vorstellungen gehen deutlich über das hinaus, was bisher in Israel gedacht (und biblisch begründet) werden konnte.

Das Buch geht gegen Götzendienerei und Gottlosigkeit vor. Es will zeigen, daß bereits in der Heilsgeschichte von Adam bis zum Exodus die Weisheit Gottes über die (ägyptischen) Götzendiener gesiegt hat. Die Heiligen Israels sollen sich demnach auch in Zukunft nach der Weisheit ausrichten, um nicht ein dem Verderben geweihtes Leben zu führen (vgl. 14,21). Damit ist deutlich, daß sich das Buch der Weisheit Salomos primär an jüdische Leser gerichtet hat. Das muß nicht ausschließen, daß auch interessierte Nichtjuden als Adressaten des Autors galten, denen die Überlegenheit der jüdischen Weisheit vorgestellt wurde. Ähnliche Gedanken finden sich bei jüdisch-hellenistischen Schriftstellern dieser Zeit.

Entstehung

Das Werk wird wohl im letzten vorchristlichen Jahrhundert im ägyptischen Alexandrien entstanden sein, gewiß war es auch ursprünglich in griechischer Sprache verfaßt. In der christlichen Theologie hat es eine besondere Wertschätzung erfahren, weil die Aussagen über die Weisheit die spätere Logos-Theologie des jüdischen Philosophen Philo von Alexandrien und des Evangelisten Johannes vorbereitet haben. Zur Verdeutlichung dieses Gedankens ist es hilfreich, Sap 7,22-8,1 parallel zum Prolog des Johannes-Evangeliums in Joh 1 zu lesen.

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