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Epheser

Der Verfasser

Der Eph erhebt im Präskript den Anspruch, ein in der Gefangenschaft abgefasstes Schreiben des Apostels Paulus zu sein (1,1; vgl. 3,1; 4,1; 6,20). Dagegen spricht eine ganze Reihe von gewichtigen Gründen. Der Brief unterscheidet sich in Sprache und Stil, Theologie und vorausgesetzter Gemeindestruktur ganz erheblich von den authentischen Paulusbriefen. Außerdem wird in 3,1ff. die Heidenmission des Apostels Paulus bereits in die Heilsgeschichte eingeordnet.

Die Adressaten

Problematisch ist die Adressatenangabe. In einigen wichtigen alten Handschriften fehlt die Ortsangabe "in Ephesus" (1,1). Sehr wahrscheinlich ist sie erst sekundär hier eingefügt worden, zumal Markion unseren Eph als Brief nach Laodizea bezeichnet hat. Vermutlich war der Eph also ursprünglich ein Zirkularschreiben an die paulinischen Gemeinden eines größeren Gebietes. Diese sind wohl in Kleinasien zu suchen, da der Verfasser den Kol kennt.

Die Adressaten sind Heidenchristen (2,11; 3,1; vgl. 4,17). Da der Verfasser in 2,11-22 (vgl. die eindrückliche Mahnung zur Einheit 4,1-6) das Verhältnis zu den Judenchristen eigens zum Thema macht, hat es in dieser Hinsicht anscheinend Probleme gegeben. Möglicherweise waren manche Christen auch durch das heidnische religiöse Umfeld verunsichert. Dafür sprechen die Mahnungen in 4,7-23 und der Aufruf zur geistlichen Waffenrüstung in 6,10-20.

Abfassungszeit

Die Entstehungszeit des Eph lässt sich nur ungefähr bestimmen. Die vorausgesetzte Gemeindestruktur spricht für das letzte Viertel des 1. Jh. Genauer wird aufgrund des Verhältnisses zu den Ignatiusbriefen an den Zeitraum zwischen 80 und 90 zu denken sein.

Der Kol als literarische Quelle des Eph

Übersicht: Grobgliederung des Eph

Der Vergleich mit dem Kol, der sehr wahrscheinlich ebenfalls ein deuteropaulinischer Brief ist, zeigt, dass der Eph diesen als literarische Vorlage benutzt hat. Dabei ist der Verfasser des Eph nicht schematisch vorgegangen, sondern hat nur die Passagen seiner Vorlage genutzt, die er für sein eigenes Anliegen verwenden konnte. Am engsten lehnt er sich in der Haustafel (5,21-6,9) an den Kol (3,18-4,1) an, aber auch hier zeigt sich deutlich die Weiterentwicklung der Gedanken des Kol durch den Verfasser des Eph.

Briefanfang

Übersicht: Eph 1,1-23

Das Präskript (1,1f.) ist sehr knapp gehalten. Der Segenswunsch ist der auch in den authentischen Paulusbriefen übliche.

Das Proömium (1,3-23) besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil (1,3-14) ist ein Lobpreis Gottes. Der Verfasser preist Gott für sein Segenshandeln an den Christen. Dabei schließt er sich zunächst im "wir" mit den Adressaten zusammen. Erst in 1,13f. wendet er sich direkt an sie. Die Erlösung der Glaubenden wird in diesem Lobpreis als Erfüllung eines Heilsplans beschrieben, den Gott schon vor der Erschaffung der Welt gefasst hat (1,4).

Der zweite Teil des Proömiums (1,15-23) ist ein Fürbittengebet. Der Verfasser bittet darum, dass die Adressaten durch den Geist die Erkenntnis Gottes erlangen. Die gleichsam kosmische Perspektive begegnet wieder in der Beschreibung der Allherrschaft Christi. Er ist das Haupt, die Kirche ist sein Leib (1,22f.).

Die Einheit der Kirche

Übersicht: Eph 2,1-3,21

Der Verfasser stellt am Beginn seiner lehrhaften Ausführungen das einstige sündhafte Leben der Adressaten und ihren jetzigen Wandel in guten Werken gegenüber (2,1-10). Gott hat sie, die tot waren, zusammen mit Christus lebendig gemacht. Sie sind auferweckt worden und haben einen Platz im Himmel erhalten (2,6; beachte den Unterschied zu Röm 6,4f.). Ganz in paulinischer Tradition wird in 2,8 der Gnadencharakter dieser Rettung betont.

Christus hat am Kreuz die trennende Wand zwischen Juden und Heiden niedergerissen. Dadurch ist den Heiden der Zugang zum "Bund der Verheißung" (2,12) eröffnet worden. Die Kirche wird als ein heiliger Tempel Gottes geschildert, der auf dem Fundament der Apostel und Propheten erbaut worden ist, durch den Eckstein Christus Jesus zusammengehalten und vom Geist durchwaltet wird (2,11-22).

Paulus ist zum Apostel berufen worden, um den Heiden das Evangelium zu verkünden. Das Geheimnis Christi, das den "heiligen Aposteln und Propheten" offenbart worden ist, besteht darin, dass "die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium" (3,6). Jetzt soll den himmlischen Mächten durch die Kirche die Weisheit Gottes bekannt werden (3,1-13).

Eine erneute Fürbitte für die Adressaten und eine Doxologie schließen die lehrhaften Ausführungen ab (3,14-21).

Mahnungen

Übersicht: Eph 4,1-6,9

Der Verfasser beginnt seine Mahnungen mit einem eindrücklichen Ruf zur Einheit unter den Christen (4,1-6). Jeder von ihnen hat die Gnade in dem Maße erhalten, wie sie von Christus geschenkt worden ist. Das wird im Sinne der Gabe von Ämtern in der Gemeinde gedeutet. "So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen." (4,13) Christus als das Haupt fügt die Glieder des Leibes zusammen (4,1-16).

Die Christen sollen das alte heidnische Leben, das in Verblendung und Begierde besteht, ablegen. Durch die Erneuerung von Geist und Sinn sollen sie den neuen Menschen anziehen, der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist (4,17-24).

Eine Reihe von – meist traditionellen – Einzelmahnungen konkretisiert diese allgemeine Mahnung (4,25-5,20). Am Ende steht die Aufforderung zum jubelnden Dank an Gott. "Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!" (5,20)

Die Haustafel (5,21-6,9) bietet Anweisungen für die Mitglieder der antiken familia. Alle Mahnungen stehen unter der Überschrift 5,21:"Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Bemerkenswert sind die Ausführungen in der Mahnung an die Männer. Hier wird das Geheimnis der Liebe auf das Verhältnis Christus-Kirche bezogen (5,32).

Briefschluss

Übersicht: Eph 6,10-24

Die Schlussparänese (6,10-20) mahnt mit dem Bild des sich zur Schlacht rüstenden Legionärs zum Widerstand gegen die finsteren Geistherrscher dieser Welt (6,10-17). Die Bitte um Fürbitte schließt sich an.

Tychikus wird von "Paulus" geschickt werden, um von ihm zu berichten und den Adressaten Mut zuzusprechen (6,21f.). Segenswünsche schließen den Brief ab. Grüße fehlen (6,23f.).

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