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1. Timotheus

Der 1. Timotheusbrief (1Tim)

Übersicht: Grobgliederung des 1Tim

Literarischer Charakter

Der Vergleich der literarischen Form des 1Tim mit Parallelen aus der Umwelt des Neuen Testaments zeigt, dass wir es mit einer amtlichen brieflichen Instruktion an eine Einzelperson zu tun haben. Diese Form begegnet sonst meist in Briefen von Herrschern an ihre Beamten.

Der Verfasser des 1Tim nutzt dabei die ganze Fülle urchristlicher Traditionen. Exemplarisch seien die Bekenntnisformel in 2,5f. und der Christushymnus in 3,16 genannt.

Präskript

Der Brief ist an Timotheus, einen der engsten Mitarbeiter des Apostels Paulus adressiert (1,1f.). Er erscheint in vielen authentischen Paulusbriefen als Mitabsender und bot sich daher als Adressat eines fiktiven Paulusbriefes an.

Die Aufgabe des Timotheus

Übersicht: 1Tim 1,3-20

Timotheus wird vom Verfasser des 1Tim gleichsam als Beauftragter des Apostels Paulus zur Bekämpfung der Irrlehrer in Ephesus eingeführt (1,3-11). Er soll ihnen "verbieten, falsche Lehren zu verbreiten und sich mit Fabeleien und endlosen Geschlechterreihen abzugeben"(1,4). Das Ziel der (rechten) Unterweisung dagegen ist "Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben" (1,5). Die Irrlehrer berufen sich offensichtlich auf die Tora, aber "Paulus" wirft ihnen vor, dass sie deren Sinn nicht verstanden hätten. Nach der Lehre des Apostels sei das Gesetz nur für "Gesetzlose und Ungehorsame", nicht aber für die Gerechten bestimmt (1,9).

Das folgende Danklied (1,12-17) betrachtet den Lebensweg des Apostels exemplarisch als "ein Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben" (1,16).

"Paulus" fordert Timotheus auf, im Sinne dieser Ermahnung, "den guten Kampf" zu kämpfen (1,18). Die Führer (?) der Irrlehrer, Hymenäus und Alexander, dagegen hat "Paulus" zur Strafe dem Satan übergeben (vgl. 1Kor 5,5).

Die Ordnung der Gemeinde

Übersicht: 1Tim 2,1-6,2a

"Paulus" fordert zum Gebet für alle Menschen und die Machthaber auf (2,1-7). Ziel ist ein ungestörtes und ruhiges Leben der Christen. Motivation ist der Heilswille Gottes, der allen Menschen gilt. Als Belege werden eine kerygmatische Formel und die Glaubwürdigkeit des Apostels der Heiden aufgeführt.

Die Anweisungen für das Verhalten im Gottesdienst (2,8-15) bestehen aus einer Zusammenstellung verschiedener Traditionen. Der extensive Versuch, die Frauen in eine untergeordnete Stellung zu drängen, zeigt, wie weit sich die Gemeinden der Pastoralbriefe bereits von Selbstverständlichkeiten der Anfangszeit entfernt haben (vgl. 1Kor 11,5.11).

Der Bischofsspiegel (3,1-7) fordert, dass der Amtsinhaber ein guter Hausherr sein muss, kein Neubekehrter sein darf und auch bei den Außenstehenden einen guten Ruf haben muss. Die Anweisungen hinsichtlich der Diakone (3,8-13) sind ganz parallel. 3,11 scheint auch für deren Frauen bestimmte Eigenschaften zu fordern.

"Paulus" versteht seine Anweisungen als Verhaltensmaßregeln für das Hauswesen (οἴκος/ oikos) Gottes, die Kirche (3,14-4,5). Sie ist das Fundament der Wahrheit. Als Inhalt des Geheimnisses des frommen Glaubens wird der Christushymnus (3,16) zitiert. Auf der anderen Seite steht die Irrlehre, die durch den Geist vorhergesagt worden ist. Ihre asketischen Forderungen verleugnen die Bestimmung der Schöpfung Gottes, die unter Danksagung genutzt werden soll.

Timotheus soll ein vorbildlicher Diener Christi, "erzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre" (4,6), sein (4,6-16). Als Lehrer soll er Frömmigkeit gegen gottlose Altweiberfabeln setzen. Ein Tugendkatalog (4,12) und eine Kette von Einzelmahnungen (4,13-16) folgen.

"Paulus" gibt Timotheus Anweisungen zum Verhalten gegenüber verschiedenen Gruppen in der Gemeinde (ältere und jüngere Männer und Frauen, Witwen und Älteste, [5,1-25]). Bei den letzten beiden Gruppen wird die Verhaltensmaßregel für Timotheus unversehens wieder zur Anweisung des Autors für diese Gruppen.

Nach dem Ratschlag, der Krankheiten wegen auch Wein zu trinken, schließt der Verweis auf die (im Gericht) offenbar werdenden Sünden und guten Werke als nochmalige Motivation die Reihe der Anweisungen ab. Die Regelungen für die Sklaven folgen wie ein Nachtrag (6,1-2a).

Briefschluss

Übersicht: 1Tim 6,2b-21

Am Beginn der Schlussparänese wendet sich "Paulus" erneut gegen die Irrlehrer, die "sich nicht an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, und an die Lehre unseres Glaubens" (6,3) halten (6,2b-10). Typisierend werden Irrlehre und rechte Frömmigkeit gegenübergestellt. Die (echte) Frömmigkeit bringt wirklichen reichen Gewinn, die der Irrlehre Anhängenden aber sind der Habsucht verfallen und streben nur nach irdischem Gewinn.

Timotheus wird noch zur Distanz von der Irrlehre und zum "guten Kampf des Glaubens" (6,12) aufgefordert (6,11-16). Er legt wie Jesus vor Pilatus das gute Bekenntnis ab. Am Ende dieser Mahnung eröffnet der Verweis auf die Parusie die eschatologische Perspektive.

Eine spezielle Anweisung betreffs der reichen Gemeindeglieder beendet die Schlussparänese. Sie sollen ihre Hoffnung nicht auf irdischen Reichtum setzen, sondern auf Gott. Timotheus soll sie zu guten Werken (Wohltätigkeit) mahnen.

Im Postskript ermahnt "Paulus" Timotheus noch einmal, sich von der Irrlehre (Gnosis) fernzuhalten und das anvertraute Gut zu bewahren. Ein knapper Gnadenwunsch schließt den Brief ab.

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