Übersicht über das Buch Numeri
Das Buch Numeri stellt den Weg der Israeliten nach dem Aufbruch vom Sinai bis in das Ostjordanland hinein dar. Wesentliche Textkomplexe sind die Kundschaftergeschichte (13+14), der Erzählkreis um Bileam (22-24) und die Einsetzung Josuas als Nachfolger Moses (27,12-23), vgl. Dtn 31). Wichtigster Einzeltext ist der sog. aaronitische Segen Num 6,24-26).
Kap.1+2 setzen ein mit einer Aufzählung der Israeliten und der Einteilung ihrer Lager- und Wanderordnung, daher der wissenschaftliche Name des Buches. Kap. 3+4 beschreiben Musterung und Dienst der Leviten. Diese gelten als den Aaroniden untergeordnet, sie sind dem Dienst Gottes als Ersatz für die eigentlich Gott zugedachte menschliche Erstgeburt zugeteilt (vgl. dazu noch Kap. 8+18). Hier zeigt sich eine stärkere Trennung zwischen Priestern und Volk, als sie sonst berichtet wird. Kap. 5 listet Weisungen für ein Gottesurteil bei vermutetem Ehebruch auf, Kap. 6 handelt von dem Nasiräat, einem (zeitlich befristeten) Gelübde, sich ganz Gott zu weihen, vgl. Simson Ri. 13,5.
In Kap. 7 bringen die 12 Stammesfürsten Opfer zur Einweihung des Altars dar, Kap. 8 schildert dann die Weihe der Leviten. 9,1-14 ist ein Nachtrag zu den Weisungen zum Passa, vgl. Ex 12. Num 9,15-23 beschreiben Wolkensäule und Feuerschein als Wegzeichen für die Israeliten. In 10,1-10 bereiten die Posaunen, die zum Sammeln blasen, den Aufbruch vom Sinai vor.
Das Besondere der Darstellung der Wüstenwanderung Kap. 10-21 ist, daß hier verschiedenartige interne Konflikte der wandernden Israeliten geschildert werden. Diese zeigen, daß die Autoritätsansprüche von Mose und Aaron nicht unumstritten waren, wie es wohl auch innerhalb der Leviten Machtkämpfe gab ("Rotte Korach": die Korachiten waren nach 2.Chr 20,19 eine Sängergilde am Tempel, vgl. Ps 44-49). Es ist anzunehmen, daß sich hier Konflikte aus der Zeit spiegeln, als das exilisch-nachexilische Israel seine interne Verfassung und seinen Zugang zu Gott neu überdenken mußte. Man vergleiche dazu auch die negative Rolle Aarons in Ex 32.
Die Erzählung vom Seher Bileam Kap. 22-24 wurde wohl als eine Einheit in den Zusammenhang eingefügt. Sie zeigt, wie sich der vom Moabiterkönig Balak bestellte Seher Bileam außerstande sieht, Israel zu verfluchen. JHWH wirkt ihm den Fluch zum Segen, ohne daß Bileam zunächst weiß, was ihm geschieht (Seine Eselin allerdings bemerkt den Engel JHWHs zum Motiv Jes 1,3). Die Weissagungen selbst sind teilweise vaticinia ex eventu, sie "weissagen" eine Sache, die längst erfüllt ist. Sie wollen die Geschichte Israels als auf Gottes Fügung zurückgehend begreiflich machen. Im späteren Judentum wurden besonders der dritte und vierte Segensspruch als messianische Weissagungen angesehen. Der aus Jakob aufgehende Stern (24,17) steht wohl hinter der Magier-Legende in Matthäus 2,1-12.
In Deir Alla im heutigen Jordanien wurde 1967 eine Inschrift gefunden, auf der ein Seher Balaam ben Beor erwähnt wird. Diese Schrift stammt wohl aus der Zeit vor 700 v.Chr. Der biblische Bericht weist gewiß auf diesen bekannten Seher zurück, um die Autorität des Geweissagten zu steigern. Damit wird aber auch deutlich, daß die biblische Erzählung jünger als die Inschrift sein muß.
Mit den Texten Num 31+32 beginnt bereits die Thematik der Landnahme, der Einlösung auch des letzten Teils der in der Genesis gegebenen Verheißungen. Zum historischen Problem der Landnahme-Erzählungen sei auf das Thema-Kapitel "Exodus und Landnahme Israels" verwiesen.
Autoren: Martin Rösel (AT), Klaus-Michael Bull (NT)
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