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Levitikus/ 3.Mose

Gliederung

Das Buch Levitikus gehört noch zu der im Exodus-Buch begonnenen Mitteilung der Tora Gottes an Mose. Es bietet im Wesentlichen Weisungen, kaum Erzählstoffe. Wichtige Themen sind der Kultus und die Fragen nach sittlicher und kultischer Reinheit. Zur bibelkundlichen Orientierung ist besonders das Wissen um die Grobgliederung wichtig.

Opfervorschriften

Zu den Opfervorschriften in Lev 1-7 vgl. das Thema-Kapitel "Opfer". Die hier geschilderten Vorschriften spiegeln wohl den Kultbetrieb am nachexilischen Tempel.

Beginn des Kultus

Kap. 8-10 berichten den Beginn des Kultus am Sinai. Aaron und seine Söhne werden von Mose gesalbt, darauf bringt Mose ein Opfer dar, mit dessen Blut er Aaron besprengt. Das erste Opfer am Sinai wird also für die Priester vollzogen, danach folgen durch Aaron die ersten Opfer für die ganze Gemeinde (Kap. 9). Es folgt der einzige erzählende Text des Levitikus-Buches, die Verfehlung/ Amtsanmaßung von Nadab und Abihu (Kap. 10).

Reinheitsvorschriften

Aus den Reinheitsvorschriften in Kap. 11-15 leiten sich die noch heute im orthodoxen Judentum beachteten Gebote der Kaschrut ab (hb. Tauglichkeit), der (kultischen) Reinheit auch im Alltag. So wird zwischen reinen und unreinen Tieren unterschieden. Darüber hinaus sind auch bei reinen Tieren nicht alle Bestandteile koscher; Blut und Fett dürfen nicht verzehrt werden. In Ex 23,19 u.ö. ist das Hauptgebot überliefert, ein Böcklein nicht in der Milch der Mutter zu kochen. Daraus wurde die Vorschrift abgeleitet, dass Milch und Fleisch nicht gleichzeitig genossen werden dürfen.

Jom Kippur

In Lev 16 wird das Ritual für den Versöhnungstag Jom Kippur geschildert, der bis heute höchster jüdischer Feiertag ist. Er wird im Herbst am 10. Tischri gefeiert. Ein Bock wird geschlachtet und sein Blut wird über den Deckel der Lade, כַּפֹּרֶת, (kapporœt), gesprengt (vgl. כפר pi., kippœr "Sühne schaffen"). So wird das Heiligtum entsühnt. Darauf werden auf einen weiteren Bock (Sündenbock) alle Sünden des Volkes geladen, und dieser wird dann in die Wüste zu Asasel, wohl einem Wüstendämon, gejagt. Der Versöhnungstag war nach späterer Tradition der einzige Tag, an dem der Hohepriester im Allerheiligsten. den heiligen Namen Gottes aussprechen durfte. Dieser Vorgang der Entsühnung wurde im NT umgedeutet und mit dem Sühnetod Christi in Verbindung gebracht (vgl. Röm 3,24-26; Hebr 8-10, besonders 9,25).

Heiligkeitsgesetz

Das Heiligkeitsgesetz Lev 17-26 ist ein eigenständiger Textabschnitt, wohl älter als die es umgebende Priesterschrift. Es geht davon aus, dass der Heiligkeit Gottes auch eine (abgestufte) Heiligkeit des Volkes entsprechen sollte; programmatisch 19,2: "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott". Wirkungsgeschichtlich von Bedeutung ist vor allem das Nächstenliebegebot 19,18 (vgl. 19,34), siehe im Neuen Testament Mt 22,39 zu den beiden höchsten Geboten Dtn 6,5 und Lev 19,18. Die geforderte Heiligkeit ist zugleich ein Aussondern/ Absondern um Gottes willen. Sie kann alle Bereiche menschlicher Existenz betreffen.

Viele der aufgeführten Forderungen sind wohl vor allem als Programm zu werten, mit dem man in Israel den nachexilischen Kultus bestimmen wollte, vgl. zum Beispiel die wohl kaum je durchgeführten Bestimmungen zum Sabbat- und Jobeljahr Kap. 25. Theologisch bedeutsam ist Kap. 26 (Unterschrift in 26,46), das den Sinn der Gebote anzeigen will. Hier wird deutlich ein bereits gebrochener Bund vorausgesetzt (V. 40).

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