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Sacharja

Gliederung

Das dem Propheten Sacharja ("JHWH hat sich erinnert") zugeschriebene Buch zerfällt erkennbar in zwei Teile 1-8 und 9-14, wobei sich der zweite wegen der erneuten Einführung in 12,1 nochmals unterteilen lässt. In der Forschung hat sich hier die dem Jesajabuch) entlehnte Terminologie "Sacharja, Deutero- und Tritosacharja" eingebürgert. Sacharja selbst, der in verschiedenen Texten anderer biblischer Bücher erwähnt wird, (vgl. Esr 5,1; Neh 12,16) hat in der Zeit um 518 gewirkt, nur wenig später als Haggai. Die späteren Buchteile sind kaum sicher zu datieren, sie sind in die Zeit der frühen Apokalyptik einzuordnen, vgl. das entsprechende Thema-Kapitel.

Nachtgesichte

Wie bereits Haggai erwartet Sacharja das Eintreffen des Heils in allernächster Zeit. Aufschlussreich ist hierfür die Stellungnahme zum Fasten in Kap. 7+8: Es muss nicht mehr getrauert werden, da das Heil nahe ist (8,18-19). In den acht Nachtgesichten sieht Sacharja die Verfassung der künftigen Heilsgemeinde. Dabei ist besonders wichtig, dass hier eine "Gewaltenteilung" zwischen dem Hohepriester Jeschua und dem königlichen Serubbabel angestrebt wird, vgl. Kap. 4. Jerusalem wird von allem Bösen gereinigt werden (7. Gesicht), die Völker werden bestraft werden (Fluchrolle, 6. Gesicht). Am Ende findet sich aber auch in Kap. 8 die Hoffnung, dass die Völker zum Zion kommen werden, V. 23: "Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist".

Engellehre

Ein besonderer Aspekt in der Verkündigung Sacharjas ist die Notwendigkeit für einen Deuteengel, lat. angelus interpres. Der Prophet sieht zwar das Zukünftige, doch in so verschlüsselter Form, dass er nicht allein dazu in der Lage ist, die Vision zu deuten. Dazu bedarf es des Deuteengels, der Sacharja den verborgenen Sinn des Geschauten mitteilt. Damit kündigt sich die Wende von der Prophetie zur Apokalyptik an. Interessant ist auch, dass in Kap. 3 der Satan als Widersacher des Jeschua vor Gott erscheint, in derselben Funktion begegnet er im Rahmen des Hiob-Buches (vgl. das Thema-Kapitel "Engel"). In der Forschung ist allerdings besonders die Originalität dieses 4. Nachtgesichts umstritten, auch einige der Zwischenstücke lassen sich kaum auf Sacharja selbst zurückführen.

Deutero-/Tritosacharja

Die Texte des Deutero- und Tritosacharjateils stammen wohl aus dem 4. Jh. Sie sind nicht auf einen oder zwei Verfasser zurückzuführen, sondern stellen eher eine Sammlung von verschiedenen Einzelstücken dar. Inhaltlich knüpfen sie an die Heilsbotschaft Sacharjas für den Zion an, zudem nehmen sie die Gerichtsansagen an die Völker auf. Kap. 9 beginnt mit einer Unheilsansage gegen Jerusalems Feinde und spielt möglicherweise auf die Eroberungen Alexanders des Großen an, in V. 13 ist jedenfalls Griechenland erwähnt. Die Umstürzungen des Alexanderzuges ließen die Verfasser wohl auf den nahen Anbruch der Endzeit schließen.

Endzeiterwartung

Kap. 12 zeigt dann aber eine Modifizierung der Endzeiterwartung gegenüber früheren Büchern: Zion/ Jerusalem muss durch die Feinde erobert werden, dann erst wird JHWH sie dort endgültig schlagen. Vor der Heilszeit steht also die Notwendigkeit des Leidens. Aus 12,11 "im Felde/ Tale Megiddos" (= der Karmel) wurde in der neutestamentlichen Apokalypse (16,16) die Bezeichnung Harmagedon für den Ort der endzeitlichen Schlacht abgeleitet. Kap. 14 endet mit dem Ausblick auf das endgültige Heil in Jerusalem und seinem Tempel.

Rezeption

Auffällig ist, dass die Texte dieser späten Teile des Sacharjabuches sehr intensiv von den urchristlichen Gemeinden dazu benutzt wurden, das in Jesus Christus erlebte Heilsgeschehen zu deuten. So wird der Einzug in Jerusalem auf einem Esel mit der bekannten Stelle in 9,9 zusammengebracht; die Tempelreinigung in Mt 21,12 mit Sach 14,21, wonach es in der Endzeit keine Krämer mehr im Tempel geben wird. Die Klage über den Durchbohrten, 12,10, wird in Joh 19,37 wieder aufgenommen; 11,13 ist der Hintergrund für den Lohn des Judas, 30 Lot Silber. Die Aussage, dass es von jenen Tagen an keinen prophetischen Geist mehr in Israel gebe, 13,2f., führte im Judentum zu der Ansicht, dass Maleachi (der letzte Prophet in der Reihe des Dodekapropheton) als letzter Prophet in Israel aufgetreten sei.

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