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Jona

Entstehung

Das Jonabüchlein ist im Unterschied zu den anderen Prophetenbüchern keine Sammlung von Einzelsprüchen, sondern eine Novelle (vgl. Josefsnovelle, Rut), die sich um die einzige Prophezeiung des Buches rankt, das Wort gegen Ninive in 3,4: "Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört". Der Name Jona ("Taube") wurde wohl von dem in 2.Kön 14,25 erwähnten Propheten entlehnt (was dann auch für die Einordnung vor das Michabuch verantwortlich sein wird), doch entstammt das Buch sicher einer wesentlich späteren Zeit. Sprachliche (Verwendung aramäischer Sprachelemente) und inhaltliche Gründe weisen auf das 4. Jh. v.Chr. Das ganze Buch wird am Versöhnungstag in der Synagoge verlesen.

Gliederung

Durch sprachliche Gliederungssignale (1,1-3/ 3,1-3) lässt sich das Buch gut in zwei Hauptteile gliedern. Bei beiden steht das Bekenntnis eines "Heiden" zu JHWH, dem Gott Jonas im Zentrum: 1,6 der Kapitän des Schiffes, 3,7-9, der König Ninives. In beiden Fällen ist das "vielleicht lässt Gott es sich reuen" charakteristisch.

Theologie

Dem Buch geht es also darum, dass das als unbedingt angesagte Unheil doch noch abgewendet werden kann; die Begnadigung Ninives ist gerechtfertigt (4,1–3+10f.). Gott ist in seinem Handeln souverän, größer, als Jona es begreifen kann. Allerdings ist die Botschaft des Buches sehr umstritten. Man hat in christlicher Exegese in ihm beispielsweise eine Anklage gegen jüdischen Partikularismus sehen wollen, der von Gott selbst überwunden wird. Andere sehen das Thema der Umkehr als Mitte des Buches an. Im Judentum wird auch der Aspekt der Kritik an selbstgerechten Unheilspropheten und das Problem von wahrer und falscher Prophetie diskutiert. Jedenfalls sind in der Schrift implizit verschiedene Deutemöglichkeiten angelegt, die in der späteren Wirkungsgeschichte entfaltet wurden: Dass es auch außerhalb Israels gültigen Glauben an JHWH gibt, dass ein einzelner aus aussichtsloser Lage gerettet werden kann (Jona und der Fisch, vgl. das "Zeichen Jonas" in Mt 12,40f.) , dass man sich vor Gottes Ratschluss nicht verbergen kann. Über allem steht die Aussage von der überragenden Barmherzigkeit Gottes mit allen Menschen/Geschöpfen: "ein gnädiger und barmherziger Gott, langmütig und reich an Huld", 4,2.

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