Das Buch Ester beschließt im Kanon der protestantischen Bibeln den Teil Geschichtsbücher (LXX hat dann noch die apokryphen Schriften (Judit, Tobit und Makkabäerbücher), in der hebräischen Bibel gehört Ester zu den Schriften und steht zwischen den Klageliedern und Daniel (wohl wegen der historischen Bezugnahmen).
Das Buch gehört zu den fünf Megillot, den Rollen, die im Judentum zu besonderen Festen gelesen werden. Es begründet das Purim-Fest; nach Est 3,7 wird das Los (פּוּר, pûr) geworfen, um den Tag zu bestimmen, an dem die Juden getötet werden sollen. Das Esterbuch ist das erste greifbare Zeugnis dafür, daß Juden ohne besondere Gründe verfolgt werden, einfach deshalb, weil sie anders sind als alle anderen Völker (3,8).
Die Deutung des Namens Ester ist nicht eindeutig, wahrscheinlich kommt er aus dem Persischen und heißt "Stern". Nach 2,7 lautet Esters hebräischer Name Hadassa (dt. Myrte).
Nach den Angaben des Buches spielt die Handlung in den Tagen des persischen Königs Xerxes I., also im frühen 5. vorchristlichen Jahrhundert. Es ist aber sicher deutlich jünger, man datiert es auf die Zeit des 3./2. Jahrhunderts. In 2.Makk 15,36 ist für das 2./1. Jh. v.Chr. ein Mordechaitag belegt, das Purim-Fest muß also zu dieser Zeit schon begangen worden sein (terminus ante quem).
Das Buch erzählt die Rettung der gesamten Judenheit durch den Mut der jüdischen Königin Ester und ihres Ziehvaters Mordechai. Ähnlich wie die ersten Kapitel des Danielbuches zeigt es, daß das Leben der Juden in der Diaspora gefährlich ist, daß aber Treue zum Glauben die Rettung bringt. Daneben steht das Motiv, daß die persische Herrschaft letztlich durch den Einsatz der Juden innerhalb der Bevölkerung gestützt und befestigt wird.
Die Aufnahme des Esterbuches in den Kanon war offensichtlich lange umstritten, wohl vor allem deshalb, weil in ihm von Gott nicht die Rede ist. Es finden sich lediglich Anspielungen, vgl. 4,14 "Errettung von einer anderen Seite her". Die griechische Übersetzung bietet zudem einen deutlich erweiterten Text; auch dies zeigt, daß die Kanonisierung nicht einheitlich vonstatten ging. Der Form nach ist die Schrift eine Novelle als Abwandlung eines griechischen historischen Romans, ähnlich beispielsweise den apokryphen Schriften Judit und Tobit oder der (älteren) Josefsnovelle.
Autoren: Martin Rösel (AT), Klaus-Michael Bull (NT)
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