Übersicht über die Chronikbücher (mit Angabe der Parallelstellen)
Wie die Samuelis- und Königebücher waren auch die Chronikbücher ursprünglich ein Buch, welches dann sekundär geteilt wurde. Der Name "Chronik" stammt von Martin Luther, der damit das griechische chronikon (der ganzen heiligen Geschichte) des Hieronymus verdeutscht hat. Die hebräische Überschrift lautet דִּבְרֵי הַיָּמִים, dibrê hajjāmîm (dt. Denkwürdigkeiten, Geschichte). Die Septuaginta bietet die Überschrift παραλιπόμενα, paralipomena: Übriggelassenes (aus den Büchern Samuel und Könige. Nach dem Kanon der Septuaginta finden sich die Chronikbücher in Christlichen Bibeln direkt nach den Königsbüchern, gefolgt von den Büchern Esra und Nehemia. Im hebräischen Kanon sind Esra/ Nehemia in der Regel vorangestellt, die vier Bücher beschließen den Teil "Schriften".
Die Entstehungszeit der Chronik ist nicht ganz sicher anzugeben, verschiedene Hinweise deuten auf das späte vierte oder das frühe dritte vorchristliche Jahrhundert. Inhaltlich will das Werk die Geschichte Israels von der Erschaffung der Welt bis zum Edikt des Kyrus darstellen, dabei spielt die Gründung und Legitimation der Kultgemeinde in Jerusalem eine besondere Rolle. Sehr oft wird bei der Darstellung auf überliefertes Material zurückgegriffen, auf Annalen, Geschichten von Königen oder Propheten. Es ist umstritten, inwieweit die Texte authentisch sind, zu denen es in den Samuelis- und Königebüchern keine Parallelen gibt.
Ziel der Chronik ist es, die bekannte Geschichte Israels neu auf die eigene Gegenwart hin zu deuten. Aus dem Schicksal der Früheren läßt sich lernen, daß Gehorsam gegen Gott, Gotteslob und ein angemessen durchgeführter Kultus im Jerusalemer Tempel das Heil für Israel verbürgen, Gott werde dann seine Barmherzigkeit zeigen. Dies gilt für jede einzelne Generation, jede Zeit steht allein vor Gott und in jeder Zeit ist Gottes Heilshandeln möglich. Damit ist das zum Beispiel in Ez 18 belegbare individualistische Denken gegen die bisherigen Kollektivvorstellungen (so noch das DtrGW) weitergeführt worden, wobei an dem prinzipiellen Schema von Tun und Ergehen festgehalten wurde.
Es ist zu empfehlen, parallel zu den Chronik-Passagen die entsprechenden Stücke aus den Büchern Samuel oder Könige zu lesen, um so einen Eindruck von der Neuinterpretation zu erhalten. (Beispielsweise fehlen die meisten Abschnitte über das Nordreich: Die Chronik ist nur an Juda interessiert.) Wie in den späteren Prophetenbüchern läßt sich auch in der Chronik feststellen, daß und in welcher Weise vorhandene biblische Texte neu gedeutet werden. Damit teilt die Chronik ein Merkmal der Literatur der Spätzeit des Alten Testaments, wie es auch bei der Schriftauslegung der Apokalyptik festzustellen ist.
Bereits die erste Übersicht zeigt, daß für die Chronik der Tempel in Jerusalem im Mittelpunkt steht, dazu David und Salomo, die beiden Könige, die mit dem Tempelbau verbunden werden. Die restliche Geschichte Israels wird dem klar untergeordnet, an die Zeit bis zu Beginn des Königtums wird gar nur durch Genealogien erinnert. Diese "Genealogische Vorhalle" soll in eindrucksvoller Weise zeigen, wie groß Israel ist und wer in Israel Bürgerrecht hat. Innerhalb dieser Listen ist die besondere Wertschätzung interessant, die die Leviten oder andere Gilden am Tempel erfahren (vgl. auch 1.Chron 6,24-28 zu Asaf). Mose wird nur einmal erwähnt (1.Chron 5,29), Exodusereignis und Sinaioffenbarung fehlen. Dagegen wird Samuel zum Leviten erklärt (1.Chron 6,12), David soll neben seinen Kriegern auch Leviten und Priester beschäftigt haben.
Die Leviten gelten in der Chronik als Hüter wahrer israelitischer Traditionen, damit sollte wohl ein Gegengewicht zu dem priesterlich orientierten Pentateuch geschaffen werden. Dies deutet darauf hin, daß die Redaktoren/ Autoren der Chronik aus dem Kreis der Tempelbediensteten unterhalb der Priesterebene stammen.
Am Ende der Chronik finden sich die Verse Esra 1,1-3 in wörtlicher Wiedergabe, so wird der Anschluß der beiden Bücher hergestellt (vgl. dazu die Einleitung zum Chronistischen Geschichtswerk).
Autoren: Martin Rösel (AT), Klaus-Michael Bull (NT)
Autoren: Martin Rösel, Klaus-Michael Bull
ISBN 3-438-02060-2
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