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Chr. Geschichtswerk und Esterbuch

Chronistisches Geschichtswerk

Inhalt

Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts ging man davon aus, dass die Bücher 1.+2. Chronik, Esra und Nehemia ursprünglich eine einzige, zusammenhängende Geschichtsdarstellung, das sogenannte "chronistische Geschichtswerk" waren. Dies wurde aus Gemeinsamkeiten in der Sprache (charakteristisches, spätes Hebräisch), im Stil und im Weltbild geschlossen. Die Teilstücke Esra und Nehemia waren ursprünglich nicht selbständige Texte, sondern sie sind der Schlussteil der von Adam bis zur (damaligen) Gegenwart reichenden Geschichtsdarstellung gewesen. Inhaltlich war dieses Geschichtswerk davon bestimmt, als Ätiologie das Scheitern des ersten Tempels zu erklären und die Regeln für das Zusammenleben in der Zeit des zweiten Tempels so zu definieren, dass eine erneute Katastrophe nicht mehr möglich ist. Später sind dann in vielen hebräischen Handschriften die Bücher Esra/ Nehemia der Chronik vorangestellt worden.

Probleme des chr. Geschichtswerkes

Diese These ist allerdings in der letzten Zeit hinterfragt worden, manche Forscher gehen davon aus, dass die Chronik einerseits und Esra/ Nehemia andererseits getrennt zu betrachten sind. Die festgestellten Gemeinsamkeiten, beispielsweise die besondere Art der Verwendung überlieferter Textstücke, ließen sich auch aus der zeitlichen Nähe erklären, in der die Schriften entstanden sind (etwa im 4./3. Jh.), in Juda. So seien auch theologische Gemeinsamkeiten nicht ungewöhnlich.

Die Frage nach der Verfasserschaft ist also zur Zeit nicht zu entscheiden. Wesentlich ist aber die Feststellung, dass das Buch Esra/ Nehemia sachlich direkt an das Ende der Chronik anknüpft und deren Geschichtsdarstellung weiterführt. Deutlich ist auch, dass sowohl in der Chronik wie auch in Esra/ Nehemia ältere Stoffe aufgenommen und überarbeitet worden sind.

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