www.die-bibel.de

Judit, Kapitel 14 ff.

14 1 Danach sagte Judit zum ganzen Volk: Liebe Brüder, hört mich! 2 Hängt diesen Kopf über die Mauer und nehmt, sobald der Tag anbricht, eure Waffen und macht einen Ausfall, aber nur zum Schein; steigt nicht ins Tal hinunter! 3 Dann werden ihre Wachen fliehen, um den Feldherrn zur Schlacht zu wecken. 4 Wenn ihre Hauptleute ins Zelt des Holofernes kommen und den Leichnam in seinem Blut liegen sehen, werden sie erschrecken. 5 Und wenn ihr merkt, dass sie fliehen, so jagt ihnen zuversichtlich nach; denn der Herr wird sie unter euren Füßen sterben lassen.
6 Als nun Achior sah, wie mächtig der Gott Israels geholfen hatte, verließ er die heidnischen Bräuche, glaubte an Gott und ließ sich beschneiden. Er wurde in das Volk Israel aufgenommen, er und alle seine Nachkommen, bis auf den heutigen Tag.
7 Als der Tag anbrach, hängten sie den Kopf des Holofernes über die Mauer, nahmen ihre Waffen und machten einen Ausfall mit großem Lärm und Geschrei. 8 Als die Wachen das sahen, liefen sie zum Zelt des Holofernes. Und die darin waren, fingen an, vor der Tür seiner Kammer zu poltern, damit er durch den Lärm und nicht durch Weckrufe aufwachen sollte. 9 Denn niemand wagte es, an der Kammer des assyrischen Fürsten anzuklopfen oder gar hineinzugehen. 10 Als aber die Heerführer, Obersten und alle Hauptleute des assyrischen Heeres kamen, befahlen sie den Kammerdienern: 11 Geht hinein und weckt ihn auf! Denn die Mäuse sind aus ihren Löchern hervorgekommen und wagen, uns zum Kampf herauszufordern.
12 Da ging Bagoas hinein in die Kammer, trat vor den Vorhang und klatschte in die Hände; denn er meinte, er schliefe bei Judit. 13 Er horchte, ob sich etwas regte, und als er nichts vernahm, trat er näher an den Vorhang, hob ihn auf und sah den Leichnam des Holofernes ohne Kopf in seinem Blut auf der Erde liegen. Da schrie und heulte er laut und zerriss seine Kleider 14 und sah in Judits Kammer nach. Als er sie dort nicht fand, lief er hinaus zu den Kriegsleuten und rief: Eine einzige hebräische Frau hat das Haus des Königs Nebukadnezar zu Spott und Hohn gemacht vor aller Welt; denn Holofernes liegt tot auf der Erde und der Kopf ist ihm abgehauen.
15 Als das die assyrischen Hauptleute hörten, zerrissen sie ihre Kleider und eine schreckliche Angst befiel sie; 16 und es erhob sich ein großes Wehgeschrei in ihrem Lager.
15 1 Als nun das ganze Kriegsvolk hörte, dass Holofernes der Kopf abgehauen war, erschraken sie und wurden ganz verwirrt und konnten sich nicht entscheiden, was sie tun sollten; denn keiner hörte mehr auf den andern. So sehr war ihnen der Mut entfallen. 2 Darum suchten sie ihr Heil in der Flucht und ließen alles im Stich. Auf allen Wegen in der Ebene und im Gebirge flohen sie, um den Hebräern zu entrinnen; denn sie hatten gehört, dass diese gegen sie heranrückten.
3 Als die Israeliten sahen, dass die Feinde flohen, 4 eilten sie ihnen nach, bliesen die Trompeten und erhoben ein großes Geschrei. 5 Weil die Assyrer in ungeordneter Flucht davonjagten, die Israeliten ihnen aber in geschlossener Ordnung nachsetzten, erschlugen sie alle, die sie einholen konnten. 6 Und Usija sandte Boten in alle Städte und Landschaften Israels, 7 und diese bewaffneten ihre auserlesene junge Mannschaft und schickten sie hinter den Feinden her. Sie verfolgten sie mit dem Schwert bis zu den Grenzen des Landes.
8 Aber die Bewohner von Betulia fielen über das Lager der Assyrer her, schleppten weg, was die Assyrer zurückgelassen hatten, und machten reiche Beute. 9 Als die andern siegreich nach Betulia zurückkamen, brachten sie alles, was jene mitgeführt hatten, mit sich, zahlloses Vieh und andere Habe, und das ganze Land wurde reich von dieser Beute.
10 Danach kam der Hohepriester Jojakim von Jerusalem nach Betulia mit allen seinen Priestern, um Judit zu sehen. 11 Und sie kam zu ihnen heraus. Da priesen sie sie alle mit lauter Stimme und sprachen: 12 Du bist die Krone Jerusalems, du bist die Wonne Israels, du bist die Ehre unsres Volks! Mit eigner Hand hast du alles getan und Israel eine so große Heilstat erwiesen, und Gott hatte sein Gefallen daran. Gepriesen seist du vor Gott in Ewigkeit! 13 Und alles Volk sprach: Amen, Amen.
14 Nachdem man nun dreißig Tage lang die Beute eingesammelt hatte, 15 schenkten sie Judit alles, was Holofernes gehört hatte, an Gold, Silber, Kleidern, Edelsteinen und andern Schätzen; alles wurde ihr vom Volk übergeben. 16 Und alle waren fröhlich, sangen und sprangen, Mann und Frau, Jung und Alt.